Dezember 1941 bis Juni 1942

Autor: Mario Golze

Ein US-Frachter sinkt, nachdem er von U 123 am 25.01.1942 mit seinem Geschütz beschossen wurde

 

"Die Verluste durch U-Boote vor unserer Atlantikküste und in der Karibik bedrohen nun unsere gesamten Kriegsanstrengungen."
General Marshall, Stabschef der US-Army in einem Brief vom 19. Juni 1942 an Admiral King, Stabschef der US-Navy.

 

Operation Paukenschlag

Am 07.Dezember 1941 überfiel das kaiserliche Japan den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf den Hawaii-Inseln und ermöglichte dem US-Präsidenten Roosevelt den lang erwarteten Kriegseintritt auf seiten der Briten. Vier Tage später erklärte Hitler den USA den Krieg, obwohl er dazu nach dem Dreimächtepakt nicht verpflichtet war. Frei von allen Einschränkungen, begann der BdU, Dönitz, sofort mit den Vorbereitungen für eine neue Offensive auf dem Atlantik. Doch von den angeforderten 12 Booten des Typs IX wurden ihm nur sechs genehmigt. Da eines von ihnen nicht einsatzbereit war, verließen ab dem 16. Dezember lediglich fünf Boote ihre französischen Stützpunkte mit Kurs auf das Seegebiet zwischen New York und Neufundland. Dönitz rechnete mit
wenig Gegenwehr der amerikanischen Küstenverteidigung. Die Verhältnisse ähnelten denen zu Beginn des Krieges um Großbritannien.
Um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, wies Dönitz seine Kommandanten an, keine Schiffe auf dem Anmarsch anzugreifen, es sei denn, sie seien besonders wertvoll.
Doch der Submarine Tracking Room wußte auch über diese U-Boote Bescheid. Commander Rodger Winn informierte schon frühzeitig die amerikanischen Stellen über den zu erwartenden Angriff.
Am 13. Januar begann der Angriff auf den noch ungeschützten Verkehr direkt unter der Küste der USA. Innerhalb von zwei Wochen wurden 25 Schiffe mit über 200.000 BRT versenkt. Die Verhältnisse waren für die angreifenden U-Boote ideal. Die Küste war hell erleuchtet, sodaß sich die vorüberfahrenden Frachtschiffe deutlich vom Horizont abhoben. Tagsüber legten sich die U-Boote auf Grund, um in der Nacht wieder anzugreifen. Sie konnten es sich dabei leisten, nur die wertvollen Ziele zu torpedieren. Über 70% der versenkten Schiffe waren Tanker. Wenige Tage nach der ersten Gruppe erreichte eine zweite das Gebiet vor der Ostküste der USA und erzielte ebenfalls große Erfolge. Die amerikanische Küstenwache, die für die U-Boot-Abwehr in diesem Gebiet zuständig war, verfügte nur über eine Handvoll kleiner Schiffe und einiger Flugzeuge, deren Besatzungen jedoch in der U-Boot-Abwehr völlig unerfahren war. Unverständlicherweise griff die amerikanische Flotte zu den gleichen Abwehrmaßnahmen, die schon in den ersten Kriegsjahren bei den Briten versagt hatten. Anstatt den Küstenverkehr in Geleitzügen zu organisieren, versuchte man die U-Boote zu finden und anzugreifen. Diese Taktik war jedoch genauso unwirksam, wie 1939 um England herum. Im März schickten die Briten 24 Trawler nach Amerika und der Leiter des Submarine Tracking Rooms, Rodger Winn flog in die Vereinigten Staaten, um der US-Navy beim Aufbau eines eigenen Tracking Rooms zu unterstützen. Doch diese Maßnahmen konnten erst nach Monaten wirksam werden.
Inzwischen befahl die Seekriegsleitung, auf Weisung Hitlers, den Aufbau einer U-Boot-Aufklärungsflottille. Diese U-Boote sollten für den Fall einer alliierten Invasion in Europa vor den Küsten der besetzten Länder aufklären. Am 06. Februar 1942 erhielt Dönitz den Befehl, 20 Boote nach Norwegen zur Abwehr einer möglichen alliierten Landung zu verlegen. Abermals wurden ihm viele seiner so dringend benötigten U-Boote genommen.

U-569 läuft in den französischen Hafen St.Nazaire ein.

 

Deutsche U-Boote in der Karibik

Am 16. Februar begann mit der Operation "Neuland" auch der U-Boot-Krieg in der Karibik. Die Bedingungen waren ebenso ideal für die Angreifer, wie vor der amerikanischen Küste. Teilweise tauchten deutsche U-Boote sogar vor den Häfen auf und beschossen die Inseln mit ihrer Artillerie.
Erst am 01.April 1942 begann die US-Navy mit der, zunächst, teilweisen Einführung des Geleitzugverkehrs vor der amerikanischen Ostküste. Doch es sollten noch mehrere Monate vergehen, bis dieses System auf dem gesamten Atlantik bis hinunter zur brasilianischen Küste funktionierte. Am selben Tag meldeten die Amerikaner 28 U-Boote als versenkt. Mit allen propagandistischen Mitteln wurde versucht, die katastrophalen Ereignisse vor der Küste zu vertuschen. Man ging sogar soweit, Angehörige der Air Force oder der Küstenwache im Radio auftreten zu lassen, die von Versenkungen deutscher U-Boote berichteten.
Tatsächlich gelang erst am 13. April die erste Versenkung eines deutschen U-Bootes, also erst vier Monate nach Kriegseintritt der USA. Es war der Zerstörer Roper, der südlich der Chesapeake Bay U 85 mit Wasserbomben vernichtete.

Ultra fällt aus

Die Erfolge der deutschen U-Boote in dieser zweiten "glücklichen Zeit" hatten noch einen weitere Ursache. Am 01.Februar 1942 führte die Kriegsmarine den Schlüsselbereich "Triton" ein. Gleichzeitig wurden die ENIGMA-Schlüsselmaschinen mit einer vierten Walze (Griechenwalze) ausgerüstet. Damit war es für die Dechiffrierexperten im englischen Bletchley Park unmöglich, die Funksprüche der deutschen U-Boote weiterzulesen. Erst elf Monate später konnte auch dieser Schlüssel geknackt werden.
Zufälligerweise fiel diese Ereignis in eine Zeit, in der die Deutschen kaum die alliierten Geleitzüge auf dem Atlantik angriffen. Ansonsten wäre der U-Boot-Führungstelle mit Sicherheit aufgefallen, daß die Geleitzüge plötzlich nicht mehr um die U-Boot-Aufstellungen herumgeführt werden konnten.

Im Juli/August 1942 konnte das alliierte Geleitzugsystem bis in die Karibik ausgedehnt werden. Auch die Zahl der Flugzeuge und U-Boot-Abwehrschiffe sowie der Ausbildungsstand der Besatzungen stieg nun immer mehr an. Karl Dönitz reagierte darauf und zog seine U-Boote wieder in den Nordatlantik zurück, zum Angriff auf die Geleitzüge. Die Zahl der versenkten Schiffe und Ladungen und ihre Auswirkungen auf die Kriegsanstrengungen waren stärker als der Verlust der Schlachtflotte in Pearl Harbor. Somit kann man die Ereignisse vor der Ostküste der USA als eine größere Katastrophe bezeichnen als den japanischen Überfall.

Zusammenfassung

Nachdem die USA in den Krieg eingetreten waren, reagierte der BdU sofort mit der Entsendung seiner wenigen verfügbaren U-Boote vor die amerikanische Ostküste und später in die Karibik, wo sie ähnliche Zustände vorfanden, wie zu Beginn des Krieges in Europa. Die USA vernachlässigten alle Grundsätze der Kriegsführung. Eine funktionierende Abwehr war fast gar nicht vorhanden, selbst die notwendige Verdunklung der Küste mußte hinter die Interessen der Tourismusindustrie zurückstehen, während draußen auf dem Meer Seeleute starben. Erst ein halbes Jahr später wurden die deutschen U-Boote wieder in den offenen Atlantik abgedrängt.

Kapitänleutnant Hardegen als Kommandant von U 123 nach einer Feindfahrt.
Während der Operation Paukenschlag führte U 123 zwei erfolgreiche Feindfahrten vor der Ostküste der USA durch

weiter zur Phase 5