Juli 1942 bis Mai 1943

Autor: Mario Golze

Der US-Geleitträger USS Bogue stieß in der entscheidenden Phase der Atlantikschlacht zu den Supportkräften und hatte entscheidenden Anteil am Sieg über die U-Boote.

 

" Der Geleitzugkampf in der Rudeltaktik im Nordatlantik, als dem am stärksten luftüberwachtem Hauptoperationsgebiet, war in Zukunft nicht länger möglich."
Karl Dönitz

 

 Ein halbes Jahr hatte es gedauert, bis die Amerikaner in der Lage waren, die Seegebiete vor ihrer Haustür zu sichern. Nachdem nun auch in der Karibik kaum noch Aussichten auf gute Versenkungszahlen bestanden, plante Dönitz den erneuten Großangriff auf die nordatlantischen Konvoirouten. Hier in der Mitte des Atlantiks, wo eine 300 Meilen breite Lücke in der alliierten Luftsicherung bestand, stellte er nun wieder seine U-Boot-Aufklärungsstreifen auf. Mitte 1942 näherte sich die Stärke seiner einsatzbereiten U-Boote nun auch endlich die angestrebte Zahl von 300 Booten. Obwohl die Engländer im Bletchley-Park die Funksprüche der U-Boote weiterhin nicht entziffern konnten, ahnten sie vom bevorstehenden Großangriff.


Die Russland-Konvois

Schon wenige Wochen nach dem deutschen Überfall auf Russland, begann die Unterstützung der Amerikaner mit Waffen und Kriegsmaterial für die Sowjetunion. Der einzige Weg war der Seeweg um das besetzte Norwegen herum nach Archangelsk und Murmansk. 1941 liefen die Geleitzüge nahezu unbehelligt nach Russland und zurück. Von Oktober 1941 bis Anfang 1942 wurden so 572 Panzer, 800 Jagdflugzeuge und über 100.000 Tonnen Material geliefert. Als die Deutschen im Frühjahr 1942 aus Angst vor einer alliierten Invasion in Norwegen, ihre den größten Teil ihrer Seestreitkräfte hierher verlegten, nahmen die Angriffe auf die Nordmeergeleitzüge erheblich zu.
Am 06. März 1942 lief zum ersten Mal das Schlachtschiff Tirpitz zum Angriff auf die beiden Geleitzüge PQ 12 und QP 8 aus. Aber lediglich ein Nachzügler konnte versenkt werden, weil die Geleitzüge nach Norden ausgewichen waren. Nachdem die Verlustrate bei den nächsten Geleitzügen immer mehr angestiegen war und im Sommer schon über 20% erreicht hatte, entschloß sich die britische Admiralität, einen stark gesicherten Großkonvoi nach Russland zu schicken. Am 27. Juni 1942 verließen die 34 Frachter des PQ 17 Island. Die Royal Navy sicherte diesen, für Russland lebenswichtigen Konvoi, mit allen zur Verfügung stehenden Schiffen. Trotz schwerster Angriffe durch deutsche U-Boote und der Luftwaffe, wurden nur zwei der Frachter versenkt. Doch am 04. Juli 1942 befahl der Chef der britischen Homefleet, Admiral Pound, den Konvoi aufzulösen. Die Geleitschiffe zogen sich nach Westen zurück und die Frachter versuchten getrennt nach Russland durchzukommen. Der Grund für diese folgenschwere Entscheidung war ein befürchteter Angriff der deutschen Überwasserflotte. In den nächsten Tagen versenkten die deutschen Flugzeuge 8 Frachter, die deutschen U-Boote versenken ebenfalls 8 Schiffe und vernichten weitere 8, von der Luftwaffe beschädigte Frachter mit Fangschüssen, sodaß nur noch 10 Schiffe die rettenden Häfen erreichten. Insgesamt verloren die Alliierten 24 Schiffe mit 142.695 BRT, 430 Panzer, 210 Flugzeuge und knapp 100.000 Tonnen Material.
Nach dieser verheerenden Verlustrate über 70 % stellten die Briten alle weiteren Geleitzüge nach Russland für die nächsten Monate zurück.

Blick auf den Turm eines Typ VII/c-Bootes beim Einsatz im Eismeer. Im Vordergrund ist das eingefahrene Sehrohr zu sehen, hinten das ausgefahrene Funkmeßbeobachtungsgerät NAXOS.

 

Geleitzugschlachten im Atlantik

Ende Juli 1942 waren 18 U-Boote aus ihren Stützpunkten in der Biskaya ausgelaufen, um den Tonnagekrieg im Mittelatlantik wiederaufzunehmen. Am 05. August griffen diese Wolfsrudel den Konvoi SC 94 an, der von einer kanadischen Escortgruppe geleitet wurde. Obwohl die Kanadier einige U-Boote im Verlauf der tagelangen Kämpfe vernichten konnten, wurden viele Frachter versenkt.
Die alliierten Escortgruppen litten immer noch unter akuten Mangel an Schiffen und moderner Ortungsgeräte. Teilweise befanden sich mehr deutsche U-Boote am Geleitzug, als Geleitschiffe. Hatte ein Geleitschiff ein deutsches U-Boot geortet, mußte es zur Jagd zwangsläufig hinter dem Geleitzug zurückbleiben. Oftmals mußte deshalb die Bekämpfung des U-Bootes abgebrochen werden. In der Zwischenzeit nutzten die anderen Boote die entstandene Lücke in der Verteidigung aus. Die Angriffe auf einen Geleitzug dauerten oft mehrere Tage, bis der Rand der luftsicherunglosen Zone erreicht wurde.

Der Wettlauf der U-Boote mit den alliierten Neubauten

Im August und September des Jahres 1942 verloren die Alliierten über 200 Frachter mit über 1 Mio. BRT Schiffsraum. Im Oktober wurden nach deutschen Schätzungen sogar über 700.000 BRT vernichtet. Dönitz war mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden, schätzte man doch in Deutschland die gesamten alliierten Schiffbaukapazitäten auf höchstens 400.000 BRT. Tatsächlich hatte der amerikanische Präsident Roosevelt schon am 19. Februar 1942 ein Schiffbauprogramm auf den Weg gebracht, nachdem die amerikanischen Werften bis Ende 1943 über 2200 Schiffe mit 24 Mio. BRT Schiffsraum bauen sollten. Dazu wurden 99 Werften mit über 1.5 Mio. neuen Werftarbeiter geschaffen. Von entscheidender Bedeutung war die Entwicklung de sogenannten "Liberty-Schiffes", das aus vorgefertigten Sektionen in den Werften zusammengefügt wurde. Dadurch konnte der Ausstoß der Werften gewaltig erhöht werden. Im November 1942 wurde die ROBERT.E.PEARY in nur vier Tagen und 15 Stunden gebaut. Drei Tage später übernahm sie ihre erste Ladung.
Im November 1942 erreichten die alliierten Verluste ihren absoluten Höhepunkt während des gesamten Krieges. Insgesamt verloren sie über 800.000 BRT Schiffsraum in einem Monat. Der Grund dafür lag auch in der Abstellung von starken Geleitkräften für die alliierten Landungen in Nordafrika (Operation Torch). Auch Dönitz sollte 50 U-Boote für den Angriff auf die alliierte Landungsflotte abstellen, doch dieses Mal konnte er sich mit seinen Argumenten für den Tonnagekrieg durchsetzen. Die Erfolge schienen Dönitz recht zu geben. In der deutschen U-Boot-Führung glaubte man, nun endlich mehr Schiffsraum zu versenken, als nachgebaut wurde.

Ein Geleitzug in den Weiten des Atlantiks. Gut zu erkennen, die Reihen und Kolonnen, die für den Zusammenhalt enorm wichtig waren. Um den Geleitzug herum fuhren die Eskortschiffe.

 

Die Laconia-Affäre

Am 01. August 1942 hatten vier deutsche U-Boote und ein U-Tanker Frankreich mit Kurs auf die Schiffahrtsgebiete nahe der südafrikanischen Küste verlassen. Dönitz plante mit diesem Angriff die Zersplitterung der alliierten Geleitschutzkräfte. Am 12. September torpedierte U-156 unter Kapitänleutnant Hartenstein die LACONIA. Dieses Schiff hatte über 1700 italienische Kriegsgefangene an Bord. Dönitz befahl allen anderen U-Booten, zur Untergangsstelle zu laufen und bei der Rettung der Schiffbrüchigen zu helfen. Die französische Regierung wurde um Entsendung von Rettungsschiffen zur Untergangsstelle ersucht. U-156 funkte unverschlüsselt seine Position und bat alle in der Nähe befindliche Schiffe um Hilfe. Mit über 200 zusätzlichen Leuten an Bord konnte es nicht mehr tauchen. Am 15. September wurde U-156 trotz deutlich sichtbarer Rotkreuzflagge von einem amerikanischen Bomber angegriffen. Kapitänleutnant Hartenstein war gezwungen, die Geretteten von seinem Boot zu weisen, um anschließend zu tauchen. Insgesamt konnten 1083 schiffbrüchige Italiener, Polen und Briten an französische Schiffe übergeben werden.
Der Angriff auf U-156 war Anlass für Dönitz, seinen berüchtigten Laconia-Befehl zu erlassen. Er verbot strikt die Rettung feindlicher Seeleute mit Ausnahme von Kapitänen und Chefingenieuren. Dieser Befehl war Hauptanklagepunkt gegen Admiral Dönitz in Nürnberg 1946.

Ein Wellington-Bomber beim Patroullienflug über dem Atlantik. Schon der Anflug eines Flugzeuges ließ die deutschen U-Boote tauchen, wo sie dann aufgrund ihrer langsamen Geschwindigkeit keine Chance auf einen Angriff mehr hatten.


Streit um die alliierten Bomber


Durch die steigenden Versenkungszahlen alarmiert, bildete der britische Premierminister Churchill, das Anti-U-Boat-Warface-Comitee. Schon beim ersten Zusammentreffen am 04. November 1942 wurde klar, das der Schlüssel zum alliierten Sieg über die U-Boote bei den Flugzeugen lagen. Doch das Bomber-Command der Royal Air Force weigerte sich, Bomber und Radargeräte für die U-Boot-Abwehr auf dem Atlantik abzustellen.
Air-Marshall Harris war der Ansicht, mit strategischen Angriffen auf die deutschen Werften und U-Boot-Stützpunkte an der Biscaya mehr zu erreichen. Und Churchill stimmte dem zu, weil die Bomber die einzige Offensivwaffe der Briten zum damaligen Zeitpunkt darstellten. Am 20. November bat er Roosevelt um die Abstellung einiger Liberators für das britische Coastel-Comand. Doch alle Langstreckenflugzeuge dieses Typs unterstanden General Eisenhower in Nordafrika und waren dort unabkömmlich. Wieder war es nicht gelungen, die Luftlücke über dem Atlantik zu schließen.
Mehr Nutzen brachte eine andere Kommission. Das Operation-Research-Team wertete alle Angriffsoperationen statistisch aus um kam zu einigen überraschenden Erkenntnissen. So wurde zum Beispiel erkannt, das mit einer Tiefeneinstellung von 3.5 m anstatt der üblichen 50 m der Flugzeugwasserbomben die Versenkungsrate von U-Booten von 4 % auf über 20 % gesteigert werden konnte.
Am 19. November 1942 wurde mit Admiral Sir Maxwell Kennedy Horten ein ehemaliger U-Boot-Kommandant zum Chef des Western-Approaches-Comand ernannt. Sofort begann er die taktischen Schulungen der Escortgruppen zu reorganisieren.
Nachdem aufgrund der extremen Winterstürme im Nordatlantik die deutschen Erfolge zurückgegangen waren, erzielte die U-Boot-Gruppe Delphin Anfang Januar einen spektakulären Erfolg, als sie sieben von neun alliierten Tankern versenkten, die Treibstoff für die Truppen in Nordafrika transportierten. Nach diesem Schlag erkannten die Planer in den alliierten Kommandostellen, daß die Operationspläne für 1943 mit einer geplanten Landung in Europa nicht zu halten seien, wenn die Versenkungszahlen nicht drastisch verringert werden konnten.

Die Konferenz von Casablanca

Im Januar 1943 trafen sich die höchsten Militärs und Politiker Englands und der USA in der soeben befreiten Stadt in Marokko zu einer historischen Konferenz. Am 23. Januar wurde die weitere Strategie der Alliierten beschlossen. Die zwei wichtigsten Beschlüsse waren, daß der Krieg auf dem Atlantik oberste Priorität erhielt und das Deutschland bedingungslos kapitulieren müßte. Außerdem wurde beschlossen, die Operationen im Mittelmeerraum mit dem Angriff auf Sizilien und später auf das italienische Festland fortzuführen.
Zur selben Zeit bahnte sich ein Führungswechsel an der Spitze der deutschen Kriegsmarine an. Nachdem die Admiral Hipper am letzten Tag des Jahres 1942 vergeblich auf einen Geleitzug angesetzt worden und von unterlegenen britischen Flottenkräften beschädigt worden war, verlangte Hitler die Verschrottung aller Überwassereinheiten. Daraufhin bot Großadmiral Erich Raeder seinen Rücktritt an und schlug unter anderem Admiral Dönitz als seinen Nachfolger vor. Am 30. Januar 1943 übernahm der BdU das Kommando über die gesamte Flotte. Von nun an konzentrierte sich die Kriegsmarine fast vollständig auf den U-Boot-Krieg. Anfang 1943 standen ihr ca. 400 Boote zur Verfügung. Allerdings war die Hälfte der Boote zur Ausbildung in der Ostsee eingesetzt oder befanden sich in der Reparatur. Von den operativ eingesetzten U-Booten wurden viele im Nordmeer, im Mittelmeer oder in entfernten Seegebieten eingesetzt.
Der Rückgang der Versenkungszahlen im Winter 1942/43 erfolgte nicht nur aufgrund des schlechten Wetters auf dem Atlantik. Seit Mitte Dezember 1942 konnten die Briten im Bletchley-Park wieder die deutschen Funksprüche mitlesen. Möglich wurde dies durch die Kaperung von U-559 im östlichen Mittelmeer durch den britischen Zerstörer HMS Petard, bei der wichtige Schlüsselunterlagen erbeutet worden waren. Von einigen kurzen Unterbrechungen abgesehen, lasen die Briten nun bis zum Ende des Krieges die deutschen Funksprüche mit.

Eine Libarator. Dieser Bomber mit seiner extremen Reichweite hatte großen Anteil an der Schließung des Luftloches über den Nordatlantik.


Das Blatt beginnt sich zu wenden


Zu Beginn des Jahres 1943 wurde beiden Kriegsparteien klar, das die nächsten Wochen und Monate die Entscheidung auf dem Atlantik bringen würde. In Deutschland konzentrierte sich nun nach dem Führungswechsel an der Spitze der Kriegsmarine, alles auf den U-Boot-Krieg. Monatlich wurden nun über 30 neue U-Boote in Dienst gestellt. Aber auch die Alliierten hatten begonnen, ernsthafte Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Auf den amerikanischen Werften entstanden neue Geleitflugzeugträger. Ein neuer Radartyp, mit dem erstmals Flugzeuge ausgerüstet werden konnten, stand kurz vor der Serienreife.
Im Februar 1943 hatte Dönitz über 100 Boote in der Mitte des Atlantiks zu stehen. Aufgrund der Masse an U-Booten hatte die Admiralität immer mehr Schwierigkeiten, die Aufklärungsstreifen zu umgehen. Bei mehreren Angriffen auf Geleitzüge versenkten die Deutschen wieder über 300.000 BRT Schiffsraum. Doch diesmal konnten die Escortkräfte auch zurückschlagen. Allein 15 U-Boote wurden bei diesen Kämpfen vernichtet. Der britische U-Boot-Abwehrbericht kam zu dem Schluß, daß die U-Boote allein durch ihre Zahl den Geleitschutzkräften überlegen waren und über kurz oder lang den Ring um die Handelsschiffe durchbrechen mußten. Wollte man die Geleite erfolgreich über den Atlantik bringen, dann mußte die Verteidigung unbedingt verstärkt werden.
Anfang März erfaßten die deutschen U-Boote den langsamen Geleitzug SC 121 und versenkten 13 Frachter. Am 10. März wurde der HX 228 erfaßt. Der Versenkung von fünf Handelsschiffen und einem Zerstörer stand der Verlust von zwei U-Booten gegenüber.


Die größte Geleitzugschlacht des Krieges

Der Höhepunkt der Geleitzugschlachten im März begann am 15. Tag des Monats, als der SC 122 und der schnellere HX 229 mit insgesamt 88 Frachtern auf die 28 U-Boote der beiden U-Boot-Rudel "Stürmer" und "Dränger" zuliefen. Zu diesem Zeitpunkt wurden die deutschen Funksprüche erst mit einer Verzögerung von vier Tagen entschlüsselt, sodaß der Submarine-Tracking-Room kein genaues Lagebild liefern konnte.
In der Nacht zum 17. März begann das Gemetzel und keine 24 Stunden später waren schon 15 Frachter vernichtet. Nach drei Tagen Kampf verließ der Konvoi das Gebiet ohne Luftsicherung. Doch bis dahin hatte er 141.000 BRT verloren, insgesamt 21 Frachter.
Insgesamt verloren die Alliierten in den ersten 20 Tagen dieses Monats 97 Schiffe mit mehr als einer halben Million BRT. Karl Dönitz hoffte auf weitere große Erfolge, doch das stürmische Wetter in den letzten Tagen des März 1943 machte weitere Angriffe unmöglich.


Neue Technik und Waffen für die Geleitschutzgruppen

Nachdem die Stürme abgeflaut waren, formierte die U-Boot-Führung neue Aufklärungsstreifen, um die nächsten Geleitzüge abfangen zu können. Am 04. April wurde der Geleitzug HX 231 von einem 18 Boote starkem Rudel angegriffen. Aber es gelang den Deutschen nur die Versenkung von zwei Frachtern und vier Nachzüglern. Dafür verloren sie zwei U-Boote an die Abwehrkräfte. Bei weiteren Angriffen auf stark verteidigte Geleitzüge sah die Bilanz nicht anders aus. Insgesamt gingen die Versenkungen im Monat April auf 313.000 BRT zurück. Außerdem verlor Dönitz 14 seiner angreifenden U-Boote im Atlantik. Grund dafür war die starke Luftverteidigung an den Geleitzügen und neue Ortungsmethoden der Alliierten. Während das HF/DF-Gerät schon länger zur Verfügung stand und dazu verwendet wurde, U-Boote anzupeilen, die Fühlungshaltersignale sendeten, wurde im Frühjahr 1943 ein neues Radar mit einer Wellenlänge von 9 cm eingeführt. Mit diesem Gerät konnten vor allem Flugzeuge die U-Boote orten und anschließend angreifen, ohne das die deutschen Funkmeßbeobachtungsgeräte das anfliegende Flugzeug verrieten. Auch wenn die Luftangriffe nicht immer zur Versenkung des Bootes führten, reichte schon das Abtauchen des Fühlung haltenden U-Bootes aus, um den Geleitzug entwischen zu lassen.
Im April standen den Alliierten im Nordatlantik fünf neue unabhängige Support-Groups zur Verfügung. Vier von ihnen verfügten über jeweils einen Flugzeugträger und mehrere Zerstörer. Sie operierten unabhängig von den Geleitzügen und machten Jagd auf die U-Boote. Im Falle eines Angriffs deutscher U-Boote konnten sie aber in kurzer Zeit die Verteidigung der Geleitzüge verstärken. In dieser Zeit häuften sich die Funksprüche der U-Boot-Kommandanten über die zunehmende Luftgefahr an den Geleitzügen.

HMS Biter, ein Geleitträger der Royal Navy.

 

Der Wendepunkt der Schlacht

Ende April hatte der deutsche xB-Dienst die Route des langsamen Geleitzuges ONS 5 entschlüsselt. Admiral Dönitz konzentrierte im Nordatlantik drei Rudel mit über 40 Booten auf dem Kurs dieses Geleitzuges. Am 29. April hatten die Angreifer die 42 Schiffe des Konvois entdeckt und einen ersten Frachter versenkt. Doch es dauerte bis zum 05. Mai, bis die U-Boote die Geleitzugverteidigung erstmals durchbrechen konnten und innerhalb von zwei Stunden fünf Frachter versenken konnten. Inzwischen waren knapp 50 U-Boote an diesem Geleitzug konzentriert. Doch am nächsten Morgen kam starker Nebel auf. Während die U-Boote fast blind waren, konnten die Zerstörer ihre Ortungsmittel einsetzen. Innerhalb weniger Stunden verlor Dönitz sieben U-Boote und mußte die Operation abbrechen.
Mitte Mai 1943 verlor Dönitz nicht nur sechs U-Boote am Geleitzug SC 130 sondern auch seinen jüngsten Sohn, der mit U-954 unterging. Am 12. Mai wurde der erste akustische Luft-Horchtorpedo (FIDO) abgeworfen.


Das Eingeständnis der Niederlage

Am 17. Mai gelang den deutschen U-Booten noch ein letzter Erfolg im Nordatlantik. Danach wurde kein Frachter mehr versenkt. Insgesamt vernichteten die Deutschen 264.000 BRT, aber sie verloren dabei 41 U-Boote. Am 24. Mai befahl Admiral Dönitz den Abbruch aller Operationen im Atlantik und zog seine U-Boote in den Mittelatlantik westlich der Azoren zurück, in der Hoffnung, dort weniger Verluste erleiden zu müssen. Dönitz vermerkte dazu: " Der Geleitzugkampf in der Rudeltaktik im Nordatlantik, als dem am stärksten luftüberwachtem Hauptoperationsgebiet, war in Zukunft nicht länger möglich. Die Operationen gegen die Geleitzüge konnten erst wieder aufgenommen werden, wenn es gelang, die Kampfkraft des U-Bootes wesentlich zu verbessern. Wir waren in der Atlantikschlacht unterlegen. "

 

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