Juni 1943 bis August 1943

Autor: Mario Golze

Ein deutsches U-Boot läuft in einen U-Boot-Bunker ein. Der Liegeplatz unter meterdickem Beton war zum einzig sichere Ort für die U-Boote geworden

 

"Es war nicht mehr möglich, den Weg durch die Biscaya mit der U-Boot-Flak freizukämpfen."
Karl Dönitz am 02. August 1944 zur Begründung seines Auslaufverbots für die deutschen U-Boote.

 

Ende Mai 1943 hatte sich das Blatt auf dem Atlantik entscheidend gewandelt. Die Flugzeuge der im Nordatlantik patrouillierenden Geleitträger drängten die U-Boote von ihren Angriffszielen ab und erzielten zahlreiche Versenkungen. Die U-Boote, die trotzdem an die Geleitzüge herangekommen waren, wurden von den Escortschiffen mit Hilfe des HF/DF-Gerätes eingepeilt und angegriffen. Unter Wasser gedrückt, konnten sie die Kursänderungen des Geleitzuges nicht mehr mitverfolgen und verloren ihn aus den Augen. Inzwischen war die Zahl des Geleitschutzschiffe an jedem Geleitzug so stark geworden, das einmal geortete U-Boote stundenlang verfolgt werden konnten, während der Geleitzug weiterdampfte. Oftmals führte diese ausdauernde Jagd zur Vernichtung des U-Bootes, zumal die Waffen und Taktiken der Zerstörer immer weiter verfeinert wurden. Als offensichtlich wurde, daß die Boote gegen die stark verteidigten Geleitzüge keine Angriffschance mehr hatten und nur noch Verluste hinnehmen mußten, zog Admiral Dönitz die Rudel aus dem Nordatlantik ab. Doch wohin mit den U-Booten ??? In den Bunkeranlagen an der französischen Atlantikküste war nur Platz für annähernd 100 von ihnen. Außerdem konnten es sich die Deutschen nicht erlauben, den Druck von der alliierten Versorgungsschiffahrt zu nehmen. Die freigewordenen Kräfte wären sofort zum Angriff auf das deutschen Heimatland freigeworden. Die U-Boote mußten also weiterhin in den Atlantik hinaus.
Zunächst bildete die U-Boot-Führung westlich der Azoren zwei neue Aufklärungsstreifen, doch die Alliierten erkannten schnell die Absicht der Deutschen, die Geleitzüge nach Gibraltar anzugreifen und verstärkten den Geleitschutz in diesem Seegebiet. Die Support-Group um den Träger Bogue vernichtete in einem drei Wochen andauernden Kampf im Juni 1943, zwei U-Boote der Gruppe TRUTZ, während nur ein Frachter aus den Geleitzügen verlorenging.


Vernichtung in der Biscaya

Im April 1943 hatte die Briten damit begonnen, die Biscayabucht systematisch abzuriegeln. Die Flugzeuge machten sich dabei die Schwäche der
U-Boote zunutze, die nach einer gewissen Zeit unter Wasser wieder auftauchen mußten, um ihre leeren Batterien wieder mit den Dieselmotoren aufzuladen. Außerdem konnten die U-Boote unter Wasser nur ein Drittel ihrer Überwassergeschwindigkeit laufen. Als Abwehrmaßnahme befahl Dönitz den Kommandanten, den Kampf mit den Flugzeugen aufzunehmen, anstatt zu tauchen. Doch die
U-Boote hatten kaum eine Chance, zumal sich die Flakgeschütze hinter dem Turm des Bootes befanden und nicht nach vorn schießen konnten, von wo die Flugzeuge meistens angriffen. Am 11.Juli 1944 wurde eines der ersten U-Boote, U-441, das mit zwei der neuen 2 cm Vierlingsflakgeschützen ausgerüstet worden war, als Flugzeugfalle in die Biscaya hinausgeschickt. Aber auch diese Maßnahme erwies sich als Fehlschlag, nachdem das U-Boot von mehreren Angreifern zusammengeschossen worden war. Dabei wurden 10 Mann der Besatzung getötet und dreizehn schwer verwundet, darunter der Kommandant. Als nächstes befahl Dönitz den U-Booten, in Gruppen von drei bis fünf Booten durch die Biscaya zu marschieren. Die Briten reagierten schnell auf die neuen Verhältnisse, indem sie sich zum Angriff auf die U-Boot-Gruppen zunächst sammelten, um dann von mehreren Seiten anzugreifen und damit das Flakfeuer zu verteilen.
Bis Anfang August hatten die Deutschen allein 41 U-Boote vor ihrer eigenen Haustür verloren.

 

Angriff auf die deutschen U-Tanker

Da sich die deutschen U-Boote in immer weiter entfernte Gebiete, wie der afrikanischen und südamerikanischen Küste zurückziehen mußten, wo die alliierte Abwehr noch nicht so stark war, waren sie abhängig von speziellen Versorgungsbooten, den sogenannten "Milchkühen". Diese U-Boote versorgten die Kampf-U-Boote mit Treibstoff, Torpedos, Proviant und Ersatzteilen. Die alliierten Kommandostäbe erkannten ihre Chance, mit der Vernichtung dieser Versorgungsboote die deutsche U-Bootoffensive in die entfernteren Seeräume zu vereiteln. Die Entschlüsselungsexperten im Bletchley-Park wurden speziell auf diese U-Tanker angesetzt.
Anfang Juni 1943 verfügte die Kriegsmarine über 10 dieser "Milchkühe". Das erste, U-118, fiel den amerikanischen U-Jagdgruppen am 12. Juni zum Opfer. In den nächsten Wochen wurde ein Tanker nach dem anderen vernichtet. In fast allen Fällen wurden die Jagdgruppen aufgrund von dechiffrierten Funksprüchen in die Seeräume geschickt, in denen sich die Kampf-U-Boote mit ihren Versorgern treffen sollten. Am 07. August 1943 wurde mit U-117 der achte und letzte einsatzfähige U-Tanker innerhalb von acht Wochen versenkt. Dönitz verfügte nun nur noch über zwei Tanker, die gerade in der Werft lagen.
In den letzten Augusttagen bereitete die deutsche U-Boot-Führung eine neue Offensive im Nordatlantik vor. Ausgerüstet mit neuen Waffen und Radarwarngeräten hofften die Deutschen, eine erneute Wende im U-Boot-Krieg herbeiführen zu können.

 

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