September 1943 bis Mai 1944

Autor: Mario Golze

Immer öfter wurden die einmal georteten U-Boote bis zur endgültigen Vernichtung mit Wasserbomben belegt

 

" ... daß der U-Boot-Krieg geführt werden muß, auch wenn er sein Ziel, größere Erfolge zu erringen, nicht mehr erreicht, denn die Kräfte des Gegners, die er bindet, sind außerordentlich groß"
Karl Dönitz am 31. Mai 1943

 

Admiral Dönitz war im Mai 1943 gezwungen, seine U-Boot-Rudel aus dem Nordatlantik abzuziehen. Die starke Verteidigung an den Geleitzügen machte Versenkungserfolge nahezu unmöglich und die patrouilierenden Flugzeuge griffen immer wieder seine Aufklärungsstreifen an und vernichteten zahlreiche U-Boote. Der Grund dafür lag in der überlegenen Ortungstechnik der Alliierten und, was die Deutschen damals nicht für möglich hielten, in der Dechiffrierung der U-Boot-Funksprüche.
Um die Geleitzugschlachten wieder aufnehmen zu können, wurde in den darauffolgenden Monaten intensiv an der Verbesserung der Luftabwehr der U-Boote gearbeitet. Um die Geleitfahrzeugemit ihrem geringem Tiefgang angreifen zu können, arbeiteten die deutschen Rüstungstechniker seit geraumer Zeit an einem neuartigem Torpedo, der besonders schnell und flach laufen konnte und eine akustische Steuerung besaß. Diese, "Zaunkönig" genannten Torpedos liefen den Schraubengeräuschen hinterher und detonierten unter dem Heck des angegriffenen Fahrzeugs.
Aber das größte Problem, das gelöst werden mußte, war das Ortungsproblem. Zunächst nahm man an, das der, auf den U-Booten installierte Radarwarner, das Metox-Gerät, aufgrund seiner starken Eigenstrahlung, das U-Boot verriet. In Wirklichkeit aber besaßen die Alliierten Bombenflugzeuge ein Radar, das im 9-cm-Bereich erbeitete und vom Metox-Gerät nicht erfaßt wurde. Erst der Abschuss eines Bombers bei Rotterdam brachte die deutschen Techniker auf die richtige Spur. Daraufhin wurde das Naxos-Gerät entwickelt


Neue Geleitzugschlachten im Nordatlantik

Ende August 1943 verließen 22 U-Boote in Begleitung eines U-Tankers ihre Biscayastützpunkte, um im Nordatlantik die Geleitzugschlachten wiederaufzunehmen. Sie alle waren mit einer verstärkten Flak, einem neuen Radarwarngerät und vor allem mit den neuen Zaunkönig-Torpedos ausgerüstet.
Am 19.September begann die Schlacht um die beiden Geleitzüge ONS 18 und ON 202 mit der Versenkung von U-341. Wenig später wurde eine britische Fregatte torpediert. In derselben Nacht verloren die Geleitzüge zwei Frachter. Während sich am darauffolgenden Tag die beiden Geleitzüger zusammenschlossen, verlor Dönitz mit U- 338 ein weiteres seiner ehemals erfolgreichen Boote. Am Abend wurden zwei Geleitfahrzeuge durch Torpedos vernichtet. Am 21.September wurde mit U-229 das dritte U-Boot vernichtet. Am 23.September wurde die Fregatte Itchen regelrecht in Stücke gesprengt und vier Frachter versenkt, bevor der Geleitzug in den luftgeschützten Seeraum einlief und die U-Boote die Verfolgung abbrachen. Der Versenkung von drei Sicherungsfahrzeugen und sechs Frachtern standen auf deutscher Seite der Verlust von drei U-Booten gegenüber.
Während man sich in Deutschland über den Erfolg der neuen Waffen freute, wurden in Amerika bereits die ersten Gegenmaßnahmen eingeleitet. Die Geleitschutzfahrzeuge bekamen ein Gerät mit den Namen "Foxer" an Bord, der hinter dem Schiff hinterhergezogen, starke Schraubengeräusche erzeugte und damit den Torpedo auf sich zog.
Da die Geleitzüge durch dechiffrierte Funksprüche gewarnt, um weitere U-Boot-Gruppen herumgeleitet wurden, kam es erst Ende Oktober zu einer nächsten Geleitzugschlacht. Aber diesmal wurden gleich sechs Boote vernichte, ohne das sie Erfolge verbuchen konnten.


Die neuen U-Boot-Typen

Die Versenkungszahlen im Herbst 1943 lagen weit unter den Erfolgen des Frühjahrs, aber die Zahl der vernichteten U-Boote war enorm angestiegen. Der Einsatz bei der U-Boot-Waffe war für die deutschen Seeleute zu einem Himmelsfahrtkommando geworden. Trotzdem war Dönitz gezwungen, seine Boote weiterhin hinauszuschicken, da er weiterhin starke Abwehrkräfte der Alliierten auf dem Atlantik binden wollte. In der Zwischenzeit wurde mit Hochdruck an der Entwicklung und Produktion der neuen "Wunderboote", den Typen XXI und XXIII gearbeitet, von denen man sich in Deutschland eine erneute Wende in der Atlantikschlacht erhoffte. Diese Boote konnten höhere Untewassergeschwindigkeiten erreichen, ihre Tauchtiefe und Tauchzeit war größer und die Nachladezeit für Torpedos wurde durch ein neuartiges Hydrauliches Ladesystem erheblich verkürzt. Die U-Boot-Führung ging davon aus, daß diese neuen U-Boote unter Wasser den Geleitzug verfolgen und angreifen konnten, ohne von den Flugzeugen oder Geleitschutzschiffen abgedrängt zu werden. Mit dem ersten Einsatz dieser Typen konnte jedoch nicht vor dem Herbst 1944 gerechnet werden. Bis dahin sollten die vorhandenen U-Boote mit einem neuentwickelten Schnorchel vor der Ortung aus der Luft geschützt werden. Der Schnorchel ermöglichte die Luftzufuhr, die für den Betrieb der Dieselmotoren unter Wasser erforderlich war. Für die Besatzung war diese Art der Fortbewegung unter Wasser allerdings eine Tortur. Das Boot mußte exakt in derselben Tiefe gehalten werden. Tauchte der Schnorchel doch einmal unter, oder wurde er von Wellen überspült, dann saugten die Schiffsdiesel die Luft aus dem Bootsinneren und es entsatnd so starker Unterdruck, daß der Besatzung die Augen aus den Höhlen quollen. Im Februar 1944 kamen die ersten Schnorchel zum Einsatz. Da die Boote aber den Schnorchel meist nur in der Nacht benutzen konnten, sank ihre Einsatzreichweie so stark herab, das Die U-Boot-Führung sie nur noch im Seegebiet um England einsetzen konnten. Darufhin zogen auch die Alliierten ihre Jagdgruppen in diesem Seegebiet zusammen und verstärkten dadurch den Druck auf die U-Boote.


Technische Verbesserungen bei der alliierten U-Boot-Abwehr

Im Frühjahr 1944 kamen neuartige Waffen und Ortungssysteme bei den Alliierten zum Einsatz. Der "Squid" konnte Wasserbomben noch vorn über den Bug eines Geleitschutzschiffes verschießen und wurde automatisch vom Asdic-Gerät gerichtet. Mit Hilfe von Sanarbojen konnten nun auch Flugzeuge die Unterwasserortung aufnehmen. Der Magnetic-Anomalie-Detector ortete die Magnetstrahlen eines getauchten U-Bootes. Mit HIlfe dieser neuartigen Technik wurde die Straße von Gibraltar endgültig gesperrt. Die Abwehrtechniken waren auf den Hunter-Killer-Groups soweit verfeinert worden daß im Frühjahr 1944 ein einmal geortetes U-Boot mit fast 100% Sicherheit vernichtet wurde. Die Jäger waren zu Gejagden geworden.

Amerikanische Seeleute an Bord des gekaperten U-Bootes U-505. Im Hintergrund der Flugzeugträger USS Guadalcanal.


Die Kaperung von U-505

Im März 1944 hatte U-505 unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Harald Lange seinen französischen Stützpunkt verlassen und im mittleren Atlantik vor der afrikanischen Küste bei Freetown Jagd auf alliierte Frachter gemacht. Versenkungen konnte es allerdings nicht melden. Trotzdem verfolgte der Submarine Tracking Room den Weg des U-Boots und als es sich Ende Mai 1944 auf den Rückweg machte, wurde eine Hunter-Killer-Group um den Geleitträger GUADALCANAL auf dieses U-Boot angesetzt.
Die Wildcats und Avengers orteten immer wieder das U-Boot, doch das an Bord installierte NAXOS-Warngerät signalisierte immer wieder die drohende Gefahr aus der Luft und das deutsche U-Boot konnte wiederholt abtauchen. Doch schon reichte die Zeit über Wasser nicht mehr aus, um die Elektrobatterien aufzuladen.
Am Morgen des 04. Juli hatte die U-Jagdgruppe das getauchte U-Boot erreicht und der Zerstörer Chatelain ortete das Angriffsziel mit seinem Asdicgerät. Gezielte Wasserbombenangriffe zwangen U-505 zurück an die Wasseroberfläche, wo es sofort von zwei Flugzeugen und drei Zerstörern unter Beschuß genommen wurde. Allerdings hatte Captain Gallery, der Kommandeur der U-Jagdgruppe, befohlen, nur leichte Artillerie zu verwenen. Er hatte sich das ergeizige Ziel gesetzt, ein feindliches U-Boot zu kapern.
Nachdem die Besatzung des U-Bootes mit dem Verlassen ihres Bootes begonnen hatten, wurde sofort das Feuer eingestellt und vom Zerstörer PILLSBURY legte ein Motorboot mit dem Enterkommando ab. Während die anderen beiden Zerstörer die deutsche Besatzung aus dem Wasser zog, wurde das deutsche U-Boot gesichert und wertvolle geheime Unterlagen erbeutet.
Anschließend nahm der Flugzeugträger das U-Boot in Schlepp und brachte es an die amerikanische Ostküste. Heute steht das U-Boot in Chicago und dient als Museum.

 

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