Juni 1944 bis Mai 1945

Autor: Mario Golze

 

"Wir machen im Augenblick mit den U-Booten eine schwierige Periode durch. ... Es ist mit einer neuen Offensive zu rechnen, die von U-Booten eines neuen Typs in großem Umfang sowohl in britischen Gewässern als auch auf den Atlantikrouten vorgetragen wird. Verluste in der Höhe, wie wir sie im Frühjahr 1943 erlitten haben sind vorauszusehen."
Der erste Seelord der britischen Admiralität, Albert V. Alexander Anfang Januar 1945

 

Nachdem die deutschen U-Boote auf dem Atlantik geschlagen waren, konnte die deutsche U-Boot-Führung nur noch auf den Einsatz der neuartigen Boote vom Typ XXI und XXIII hoffen. In der Zwischenzeit blieb den veralteten U-Booten nichts anderes übrig, als hinauszufahren, um starke feindliche Abwehrkräfte zu binden und so von der Heimat fernzuhalten.
Als sich im Frühjahr 1944 eine alliierte Invasion auf dem europäischem Kontinent immer deutlicher abzeichnete, hielt Dönitz in den Stützpunkten in der Biscaya und in Norwegen viele U-Boote zurück, um im Falle einer alliierten Landung sofort angreifen zu können. In Frankreich lagen die 49 Boote der Gruppe "Landwirt" und in Norwegen 22 Boote der Gruppe "Mittel" bereit.
Sofort nach der alliierten Landung erhielten diese Boote Auslaufbefehl. Doch die U-Boot-Abwehr war zu massiv, als das die Boote entscheidene Erfolge erzielen konnten. Über 350 Flugzeuge waren nur mit der Überwachung der Seeräume beiderseits der Invasionsflotte beschäftigt. Nur einem einziges Boot gelang es, in die Landungszone vorzudringen und ein Panzerlandungsschiff zu versenken.
Zwei Monate später drangen die Panzerdivisionen General Pattons aus der Normandie in die Bretagne vor und zwangen die U-Boote, ihre Stützpunkte zu verlassen und um die Spitze Schottlands herum, nach Norwegen und in die Deutsche Bucht zu laufen. Von nun an konzentrierte sich Dönitz darauf, die Nachschubwege der Alliierten über die Nordsee und den Ärmelkanal anzugreifen. Der U-Boot-Krieg war dahin zurückgekehrt, wo er 1939 begonnen hatte. Aufgrund der sehr kurzen Anmarschwege, konnten die U-Boote fast die gesamte Feindfahrt unter Wasser bleiben, was ihnen einige Sicherheit vor den alliierten Flugzeugen bot. Die meisten U-Boot-Versenkungen wurden nun wieder von den Sicherungskräften auf dem Wasser erzielt. Auf den atlantischen Konvoirouten wurden in den letzten drei Monaten des Jahres 1944 lediglich 14 Frachter versenkt. Dem stand der Verlust von 45 U-Booten gegenüber.


Gefahr durch neuartige U-Boote

Aus abgefangenen und dechiffrierten Funksprüchen der japanischen Botschaft und später auch der deutschen, erfuhren die Amerikaner und Briten schon sehr frühzeitig von den technischen Einzelheiten der neuen deutschen U-Boot-Generation. Da ihnen sofort bewußt war, welche neue Gefahr von diesen U-Booten ausging, begannen die alliierten Bomberflotten schon Anfang 1944 mit de systematischen Zerstörung der Werften, der Zuliefererbetreibe und der Wasserwege, auf denen die im Binnenland vorgefertigten Sektionen zur Endmontage an die Küste gebracht wurden. Diese andauernden Angriffe warfen das deutsche Bauprogramm um Monate zurück.
Die größte Gefahr ging jedoch vom Vormarsch der sowjetischen Truppen in Richtung der deutschen Ostseeküste aus. Schon lange waren die Ausbildungsgebiete in der Ostsee nicht mehr sicher. Ende 1944 gingen die ersten Werften in Ostpreussen verloren.

Zuflucht Norwegen

Anfang 1945 bereitete die U-Boot-Führung eine letzte verzweifelte U-Boot-Offensive vor. Fast alle, noch in der Ausbildung befindlichen U-Boote, wurden nach und nach in die norwegischen Stützpunkte verlegt. Von hier aus stießen sie gegen die englische Küste vor. Die Alliierten hielten über 300 Geleitschiffe zurück, die eigentlich in den Pazifik verlegt werden sollten. Insgesamt betrug die Anzahl der Escortkräfte 37 Geleitgruppen mit 437 Fregatten, Korvetten und Sloops. Am 23.Februar kam es zum ersten erfolgreichen Einsatz eine Typ XXIII Bootes. Allerdings hatten diese kleinen, für den Einsatz im Küstengebiet, vorgesehenen Boote nur zwei Torpedos an Bord. Erst im April 1945 lief mit U- 2511 unter Korvettenkapitän Adalbert Schnee das erste Typ XXI Boot zur Feindfahrt aus. Es sollte den Panamakanal angreifen. Doch schon nach wenigen Tage kam der Funkspruch von Admiral Dönitz, der alle U-Boote aufforderte, die Kampfhandlungen zu beenden und den nächsten Hafen anzulaufen. Auf dem Weg zurück nach Norwegen traf das U-Boot auf einen britischen Kreuzer. Nachdem U-2511 unerkannt unter den sichernden Zerstörerring hindurchgetaucht war, fuhr der Kommandant einen Scheinangriff, bevor er seine Fahrt fortsetzte.


Kapitulation

Am 04.Mai 1945 kam es im norddeutschen Raum zur Teilkapitulation de deutschen Truppen vor den angloamerikanischen Armeen unter Feldmarschall Montgomery. Die Alliierten verlangten unter anderem, das kein deutschen Kriegschiffe versenkt werden dürfte. Es gehörte zur Tradition aller Kriegsmarinen, niemals dem Gegner ein Schiff in die Hand fallen zu lassen. Trotzdem befahl Dönitz den Kommandanten, ihre Boote dem Feind zu übergeben. Er hoffte damit Zeit zu gewinnen, um im Osten weitere Flüchtlinge vor den sowjetischen Truppen evakuieren zu können. Doch nicht alle U-Boote fingen die Aufforderung zur Kapitulation auf. Am Abend des 5. Mai wurde U-853 von amerikanischen Zerstörern vor der Ostküste der USA versenkt, am 07. Mai ging mit U-320 das letzte deutschen U-Boot im Kampf verloren.


Rückblick

Der U-Boot-Krieg war die am längsten andauernde Schlacht im 2.Weltkrieg. Sie forderte 30.238 Tote unter der alliierten Handelsflotte, tausende Tote der Geleitkräfte. Von 40.600 U-Boot-Männern kehrten 30.246 nicht zurück, 5.338 gingen in Gefangenschaft.

2882 Handelsschiffe mit über 14 Mio BRT und 175 Kriegsschiffe wurden versenkt. Von 1162 gebauten U-Booten kamen 863 zum aktiven Einsatz. Von ihnen gingen 784 verloren.