Autor Mario Golze

( mit einem Nachwort von Dominique Lemaire )

 

Das dritte und letzte fertiggestellte Schiff dieser Baureihe, die Prinz Eugen. Von der damaligen Besatzung wurde das Schiff meistens nur "der Prinz" genannt.


Entstehung der Kreuzer

Im Jahr 1921, kurz nach dem ersten Weltkrieg, wurde in Washington eine Seeabrüstungskonferenz abgehalten, und beschlossen, daß alle zukünftige Kreuzer eine Typenverdrängung von 10000 Tonnen nicht überschreiten dürften und ihre Hauptbewaffnung nicht über 20.3 cm liegen dürfe. Diese schweren Kreuzer, im allgemeinen "Washington-Kreuzer" genannt, durften allerdings nicht von Deutschland in Dienst gestellt werden. Somit mußte sich die Reichsmarine mit einigen wenigen leichten Kreuzern abfinden.
Aufgrund des deutsch-englischen Flottenvertrages von 1935 wurde Deutschland der Bau von fünf 10000 Tonnen-Kreuzern gestattet, aber mit der Einschränkung, nur 15.5 cm Geschütze zu verwenden. Kurz darauf erfolgte die Kiellegung der ersten beiden Kreuzer "G" und "H", allerdings war von vornherein eine Bewaffnung mit acht 20.3 cm Geschützen vorgesehen. Auch die vorgeschriebene Verdrängung wurde, natürlich unter strengster Geheimhaltung, um ca. 40% überschritten.
Wenig später wurden drei weitere, leicht modifizierte Kreuzer auf Kiel gelegt.
Der erste Kreuzer wurde am 29. April 1939 unter dem Namen Admiral Hipper in Dienst gestellt, gefolgt vom Kreuzer Blücher, der am 20. September 1939 in Dienst gestellt wurde. Während das dritte Schiff am 01. August 1940 unter dem Namen Prinz Eugen in Dienst gestellt wurde, konnten die beiden übrigen Kreuzer nicht mehr fertiggestellt werden. Der Kreuzer Lützow wurde an die Sowjetunion verkauft (diesen Namen bekam statt dessen das Panzerschiff Deutschland), die Seydlitz wurde als Flugzeugträger weitergebaut, aber niemals fertiggestellt.
Da alle Kreuzer nach ihre Indienststellung noch einige Monate mit der Erprobung des Schiffes und der Ausbildung der Besatzung beschäftigt waren, konnten sie erst lange nach Kriegsbeginn in in das Kriegsgeschehen eingreifen.


Nachbetrachtung

Insgesamt gesehen waren die drei schweren Kreuzer recht erfolglos. Vor allem im Vergleich zu den viel kleineren U-Booten der Kriegsmarine. Die Blücher ging kurz nach ihrer Indienststellung verloren, die Admiral Hipper hatte nur bei ihrer zweiten Atlantikunternehmung nennenswerte Erfolge zu vermelden. Die Prinz Eugen war lediglich an der Versenkung des britischen Schlachtkreuzers Hood beteiligt. Neben vielen Einsätzen zur Küstenbeschießung im Ostseeraum hatte sie nicht mehr viel vorzuweisen.

 

 

Nachwort von Dominique Lemaire


Technische Betrachtungen

Mit einer Verdrängung von über 19 000 Tons, standen die deutschen schweren Kreuzer oben auf der Rangliste der damaligen Kreuzer. Die englische Exeter war nur 11 000 Tons schwer (mit nur 6 Kanonen), die italienischen Zara wogen 15 000 Tons und die französische Algérie 14 000 Tons. Damit waren sie besser geschützt als die meisten ihrer Zeitgenossen. Die acht 20.3 cm Kanonen in vier Türmen profitierten von einer ausgezeichneten optischen Feuerleitung. In der zweite Hälfte des Krieges, hätten sie in fast allen Fällen im Nachteil gegen die alliierten Schiffe gestanden, nachdem diese Feuerleitung mit Radar bekamen. Die deutsche Nebenartillerie mit 12 x 10.5 cm Kanonen war über dem Durchschnitt.
Trotz Ihrer hohen Gewicht war ihre Geschwindigkeit keineswegs beeinträchtigt im Vergleich zu ihren ausländischen Gegnern (31 zu 32 Knoten für jede erwähnte Modelle). Im Gegenteil zu der Klasse der Panzerschiffe, die Dieselmotoren benutzten, bekamen die schweren Kreuzer Antrieb mit Dampfturbinen. Doch, war der Fehler unter der Haube: die Hochdruckmaschinen waren äußerst störanfällig. Die Hipper konnte keine einzige Aufgabe durchführen, ohne Maschinenausfälle zu erleiden (das Problem war nicht den Kreuzern eigen: auch die Zerstörer litten darunter). Ein zweiter Fehler war der zu kurze Fahrbereich. Das ist kein großes Problem fürSchlachtschiffe, die unweit ihrer Küsten operieren können, aber es war eine schwere Behinderung für einen Handelstörer, der über den gesamten Ozean operieren mußte. Als sie über den Atlantik fuhren, sollten sie im Durchschnitt zweimal pro Woche volltanken, was den Versorgungschiffen großen Gefahren aussetzte und die möglichen Einsatzgebiete einschränkten.

Im Nachhinein

Die Geschichte der schweren Kreuzer der Kriegsmarine während der 2. Weltkrieg ist die Geschichte eines Mißerfolges. Die Blücher wurde, noch bevor sie völlig einsatzfähig wurde, versenkt, die Hipper erzielte ihren einzigen Erfolg gegen Handelsschiffe, als sie die Konvoi SLS-64 angriff, die Prinz Eugen nahm an der Vernichtung der Hood in der Dänemarkstraße teil (einige Historiker denken, daß ihre Granate und nicht die der Bismarck den englischen Schlachtkreuzer explodieren ließ) und leistete im Baltikum dem zurückweichenden Heerestruppen eine sehr geschätzte aber wenig entscheidende Feuerunterstützung.
Der Mißerfolg ist nicht den Schiffen oder ihren Besatzungen anzukreiden. Einzeln betrachtet, waren sie sehr mächtige Gegner. Die einzige Eins gegen Eins Konfrontation (die Hipper gegen die Berwick am Geleitzug WS-5 A wurde abgebrochen, als der deutsche Kreuzer schon einige Treffer erzielt hatte und unversehrt geblieben war) endete eher mit einem deutschem Vorteil. Sie wären sicher erfolgreicher gewesen, hätten sie zweckmäßiger eingesetzt werden können. In ihrer Grundkonzeption, waren sie mangelhafte Handelstörer (zu kurzer Radius, unzuverlässige Maschinen). Sie waren im Gegenteil mächtige Linienschiffe (wie das Gefecht in der Dänemarkstraße beweist), aber solche Aufgaben bekamen sie nie, aus auf der Hand liegende Gründen: die deutsche Kriegsmarine war zu schwach für eine derartige Kriegsführung. Die schweren Kreuzer wären die angepaßte Schiffe für eine Flotte gewesen, die mit dem Plan "Z" auf das Niveau der Royal Navy gebracht worden wäre. Sobald der frühzeitig Kriegsausbruch dem Plan "Z" den Garaus machte, wurden die schweren Kreuzer dazu verurteilt, im Alleingang zu operieren, und ihr endgültige Scheitern war unausweichlich.