Im Streben der deutschen Führung nach einer neuen Weltgeltung des großdeutschen Reiches stellte die Kriegsmarine eine wichtige Komponente dar. Die Schiffe der Kriegsmarine sollten auf den Meeren der Welt die neue Stärke des Reiches darstellen und, im Falle eines Krieges, ihre Macht zur Entfaltung bringen um den Gegner schwer zu treffen.

Zu einem Eckpfeiler dieser Seemacht sollten die Schlachtschiffe der H-Klasse werden, die als größte Einheiten des Z-Plans, den Kern der Schlachtflotte bilden würden.

Sie sollten jedem Schlachtschiff der damals potentiellen Gegner England, Frankreich und Rußland absolut ebenbürtig oder, im Idealfall, diesen überlegen sein. In den Amtsentwürfen vor und während des Krieges spiegelten sich diese Überlegungen durch Bewaffnungs-, Verdrängungs- und Einsatzwertsteigerungen gegenüber der BISMARCK-Klasse heraus. Im Laufe dieser Entwurfsphasen steigerten sich die Überlegungen bis hin in utopische Größenordnungen. Diese führten bis hin zum Entwurf H-44, für den folgende Werte vorgegeben wurden:

Verdrängung  141.000 t

Länge 345m

Breite  51,5 m

Tiefgang 12,6 m

Artillerie 8 x 50,8 cm

 

Diese wahren Schlachtschiffsmonster hätten selbst die japanische YAMATO-Klasse in den Schatten gestellt. Allerdings wäre eine nützliche Verwendung dieser Giganten schwer in Frage gestellt worden und somit wurde die ernsthafte Umsetzung dieser Pläne nicht mehr in Betracht gezogen. War schon der Bau der H-Klasse mit Schwierigkeiten seitens der Verfügbarkeit von brauchbaren Werftkapazitäten versehen, so hätten für die H-44 komplett neue Docks gebaut werden müssen.

 

Der Amtsentwurf 1937-39 für die H-Klasse war darin wesentlich realistischer. Immerhin konnten aus diesem Amtsentwurf noch zwei Schiffe, die “H” und “J” noch auf Kiel gelegt werden.

Von der Aufstellungsvariante der schweren Artillerie in 4 Doppeltürmen mittschiffs, wie bei der BISMARK-Klasse, ausgehend war eine Steigerung des Kalibers auf  40,6 cm vorgesehen. Dies brachte eine massive Steigerung des Breitseitsgewichtes und mit den neu entwickelten Rohren und Granaten eine Erhöhung der Reichweite sowie Durchschlagskraft. Die Ausrüstung bei der mittleren Artillerie sowie der schweren Flak sollte mit der BISMARCK-Klasse identisch sein, allerdings sollte bei der schweren Flak die neue Lafette C/38 eingebaut werden, die eine wesentliche Verbesserung zu ihren Vorgängern aufwies. Die ursprünglichen Planungen sahen auch eine, der BISMARCK-Klasse ähnlichen, Ausstattung mit leichter Flak vor. Diese wäre mit Sicherheit, den Lehren des Krieges entsprechend, jedoch noch immens verstärkt worden. Rohrzahlen wie sie zum Schluß auf TIRPITZ eingebaut waren, stellen einen sicherlich nicht zu geringen Wert für eine endgültige Ausrüstung der H-Klasse dar.

Ein weiteres herausragendes Merkmal dieser Schlachtschiffe war der Plan, wie bei den Panzerschiffen der DEUTSCHLAND-Klasse, auch hier den Dieselmotor als Antriebsanlage zu nutzen. Vorgesehen waren 12 Motoren der Firma MAN mit der Typbezeichnung  M9Z 65/95. Dieses waren 9zylindrige doppelt wirkende Zweitaktdiesel. Sie hätten den Schiffen eine Gesamtleistung von 165.000 PSw bei 260 Umdrehungen verschafft. Dadurch lag die konstruktive Geschwindigkeit bei etwa 30 kn.

Die sehr hohe Bunkerkapazität von etwa 9000 t Treibstoff sollte den Schiffen in Verbindung mit dem sparsamen Dieselantrieb eine Reichweite von über 19.000 sm bei 16 kn Marschfahrt ermöglichen.

All diese Faktoren, wie auch die, gegenüber der BISMARCK-Klasse, verstärkte Panzerung erforderten natürlich eine nochmals gesteigerte Größe des Schiffskörpers. Die Verdrängung hätte im voll kriegsmäßig ausgerüsteten Zustand 68.000 t betragen.

Gerade in diesem letzten Wert lag dann auch ein Problem dieser Schiffsklasse. Mit einer Länge von 277 m und einer Breite von über 37 m gab es im Falle eines Krieges keine Reparaturdocks in den Gewässern außerhalb Deutschlands. In Falle einer Beschädigung des Schiffes hätte dieses mit einem eingeschränkten Kampfwert den gefahrvollen Durchbruch durch die Atlantikpasssagen, wie die Dänemarkstraße, wagen müssen.

Trotz dieser vorhandenen Problematik wurde zunächst an den Planungen festgehalten und der Bau von zwei Einheiten noch begonnen der dann aber mit Beginn des Krieges abgebrochen wurde.

Zu diesem Zeitpunkt waren für “H” (Bauwerft Blohm und Voss, Hamburg) ca. 19.000 t Material und für “J” (Bauwerft Deschimag, Bremen) Ca 12.000 t bestellt. Geliefert waren für “H” ca. 5.800 t, für “J” ca.3500 t. Verbaut waren jedoch bei Einstellung der Arbeiten für “H” nur 766 t und bei “J” 40 t.

Es ist fraglich ob unter den erschwerten Umständen des Krieges der Fertigbau jemals hätte erfolgen können. Letztendlich stand dann ja auch im Verlaufe des Krieges der Bau der strategisch wichtigeren U-Boote im Vordergrund.

So blieben die BISMARCK und die TIRPITZ die größten jemals gebauten deutschen Schlachtschiffe.

Ein Aspekt, der zum Ende noch angesprochen werden sollte, ist die immer wieder angebrachte Spekulation über die Namensvergabe an “H” bzw. “J”. Es wird an vielen Stellen der Name GROSSDEUTSCHLAND ins Spiel gebracht. Dieser Name dürfte wohl kaum in Frage kommen, da bereits im Fall des Panzerschiffes DEUTSCHLAND eine Umbenennung in LÜTZOW erfolgte, aus Angst einer negativen psychologischen Wirkung bei einer eventuellen Vernichtung des Schiffes. Weitere Namensvorschläge wie z.B. HINDENBURG oder FRIEDRICH DER GROSSE sind schon eher im Rahmen des Möglichen, aber eben auch nur spekulativ.