Durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages gab es für die deutsche Marine nicht nur das Problem, daß die Größen der Schiffsklassen eingegrenzt waren. Eine wichtige Komponente war auch das Verbot bestimmte Schiffstypen überhaupt zu bauen oder zu besitzen. Neben den U-Booten gehörten auch die Flugzeugträger dazu. So war ja nicht nur der Bau eines solchen Schiffes untersagt, sondern auch der Besitz von Kriegsflugzeugen, die für ein entsprechendes Schiff zwingend notwendig waren. Dennoch fanden in Marinekreisen schon vor 1933 Überlegungen über den Wert von Flugzeugträgern als unterstützendes Element der neuen Flotte statt.

 

Der Flugzeugträger als neue Waffe

Eine der Lehren aus dem 1. Weltkrieg bestand in dem Erkennen der Bedeutung des Flugzeugs als eines der maßgeblichen neuen Waffen.

Sehr schnell zeigte sich, daß sich das Flugzeug in seiner rasanten Entwicklung auch zu einem ernsten Gegner für die Überwassereinheiten entwickelte. Bei steigender Geschwindigkeit und höherer Tragfähigkeit von Torpedos oder Bomben wurden ernsthafte Treffer, auch auf Schlachtschiffe, immer wahrscheinlicher und auch wirksamer.

Es stellte sich beim Flugzeug nun allerdings das Problem seiner verhältnismäßig geringen Reichweite. Landgestützte Flugzeuge waren in den seltensten Fällen in der Lage die in See stehenden Kriegsschiffe zu erreichen. Daher mußte das Flugzeug, und auch seine Basis, dem Gegner entgegengebracht werden. Die ersten Methoden hierzu bestanden in den sogenannten Flugzeugmutterschiffen. Diese führten nur einige wenige Flugzeuge mit sich, die entweder per Katapult oder aber direkt von der Wasseroberfläche starten konnten. Ein Landedeck war bei diesen Typen nicht vorgesehen. Die Flugzeuge mußten nach dem Einsatz neben dem Mutterschiff wassern und danach wieder an Bord genommen werden. Einerseits brachte dieses bei der Anbordnahme einen verhältnismäßig hohen Aufwand mit sich, andererseits war bereits bei einem etwas höherem Seegang die Wasserung und damit ein Einsatz des Flugzeuges unmöglich.

Der künftige Flugzeugträger mußte also ein anderes Konzept einschlagen. Der Weg zum brauchbaren Kriegsschiff führte über ein auf dem Schiffskörper aufgebrachtes Flugdeck. Auf ihm konnten normale Radflugzeuge nicht nur starten, sondern auch wieder landen. Nach der Landung war man in der Lage das gelandete Flugzeug unverzüglich wieder in den Hangars unterhalb des Flugdecks neu auszurüsten und relativ schnell wieder einsatzbereit zu bekommen.

Zuerst wurde bei den Schiffen eine Hybridtechnick angewendet, d.h. es wurde nur ein Teil des Schiffes mit einem Flugdeck versehen um noch Platz für eine reichlich starke Artilleriebewaffnung zu behalten. Dieses wurde aber alsbald aufgegeben, da sich immer deutlichen zeigte, das die entscheidende Waffe des Trägers in keinem Fall mehr eine starke Artillerie sein wird. Ab hier begann dann die Entwicklung des Trägers in der Form wie wir sie auch heute noch erkennen können.

 

Ein Flugzeugträger für die deutsche Marine

Nach dem Machtwechsel 1933 wandelte sich die Einstellung zur Wehrhoheit Deutschlands. Die nationalsozialistische Führung faßte sehr schnell einen grundlegenden Neuaufbau des Militärpotentials ins Auge.

Neben der Aufrüstung des Heeres und der Marine wurde auch eine Luftwaffe aufgestellt. Es wurde mit der Entwicklung und Produktion von Flugzeugen verschiedenster Ausführungen für unterschiedliche Anwendungsfälle begonnen.

Mit der absehbaren Verfügbarkeit geeigneter Kampfflugzeuge begann auch die Idee eine Marinefliegerei, insbesondere einer seegestützten, wieder aufzukeimen.

Zur Jahreswende 1933/34 wurde diese Idee dann konkret. Die Konstruktionsabteilung der Marine bekam den Auftrag eine Studie über einen möglichen deutschen Flugzeugträger zu erstellen. Dieser sollte sich innerhalb folgender Eckdaten bewegen:

  • Verdrängung: ca. 20.000 t
  • Geschwindigkeit: ca. 33 kn
  • Bewaffnung: 50 bis 60 Flugzeuge, 8 – 20,3 cm Geschütze
  • Panzerung entsprechen eines leichten Kreuzers

Die starke artilleristische Komponente zeigte, daß man auf deutscher Seite sich noch nicht ganz auf einen wirklich reinen Flugzeugträger einlassen wollte. Der Träger sollte in der Lage sein sich in einem Gefecht mit Gegnern bis zum leichten Kreuzer behaupten zu können. Dieses mag aus der mangelnden Erfahrung in der Entwicklung von Flugzeugträgern herrühren, wahrscheinlicher ist aber das auch im Z-Plan erkennbare Festhalten an der konservativen artilleristischen Ausrichtung der neuen deutschen Flotte.

Die schwierige Aufgabe der Planung dieses Kriegsschiffes fiel dem Marinebaurat Dipl.Ing. Wilhelm Hadeler zu. In kleinen Schritten mußte er sich über die offiziell verfügbaren Dokumente zum Trägerbau an die Probleme, die dieser für den deutschen Schiffbau neue Typ mit sich brachte, herantasten und sie lösen.

Der Entwurf, welcher von Hadeler vorgestellt werden konnte, erfüllte in den wesentlichen Punkten die oben erwähnten Vorgaben. Der Träger würde in etwa 23.000 t Verdrängung und eine Geschwindigkeit von 35 kn besitzen. Zugeständnisse waren im Bereich der Artillerie gemacht worden. Hadeler war von den 20,3 cm Geschützen zugunsten des Kalibers 15 cm abgerückt.

Ein Beauftragter des Konstruktionsamtes besichtigte, allerdings ohne besondere Kenntnisse zu erhalten, den britischen Flugzeugträger FURIOUS. Bedeutend mehr Erkenntnisse und vor allem auch schriftliche Konstruktionsunterlagen erbrachten die Zusammenarbeit mit der japanischen Marine. Im Jahre 1935 durfte eine deutsche Kommission den japanischen Träger AKAGI begutachten. Eine der bedeutendsten Folgerungen aus diesen Besichtigungen war die Bestätigung des eingeschlagenen Kurses beim eigenen Entwurf.

Dennoch begann sich eine eigene deutsche Ausrichtung in der Planung durchzusetzen. Dieses begründete sich im wesentlichen auf der weiterhin bestehenden Ansicht, daß das Flugzeug nicht die alleinige Hauptwaffe des Trägers sein konnte. Im Zuge dieses Denkens wurde weiterhin ein relativ hohes artilleristisches Potential vorgesehen. Abweichend von Hadelers Studienentwurf wurde die Artillerie sogar noch aufgewertet. Es blieb zwar bei der Kalibersenkung auf 15 cm, aber als Ausgleich dafür wurde die Geschützzahl verdoppelt.

 

Der deutsche Flugzeugträger wird gebaut, aber er wird nicht fertig

Mit der Unterzeichnung des deutsch-britischen Flottenabkommens am 18. Juni 1935 war der Weg zum Bau von Flugzeugträgern frei geworden. Der deutschen Marine waren 38.500 t an Gesamttonnage für diesen Typ erlaubt. Zwei Träger in der Größenordnung von etwa 20.000 t waren also in der nächsten Zukunft einplanbar. Eine Umarbeitung von Hadelers Entwurf auf die geringere Verdrängung war ebenfalls möglich. Am 16. November 1935 erging an die Deutschen Werke Kiel der Bauauftrag für den Träger "A". Am 28. Dezember 1936 erfolgte dann die Kiellegung. Der lange Zeitraum zwischen Auftragserteilung und Kiellegung erklärt sich aus der Auslastung der Bauwerft, die in dieser Zeit unter anderem auch für den Bau des Schlachtschiffs GNEISENAU und des schweren Kreuzers BLÜCHER verantwortlich zeichnete. Am 08. Dezember 1938 konnte der Stapellauf erfolgen und das Schiff wurde auf den Namen GRAF ZEPPELIN getauft.

Am selben Tag der Bauauftragserteilung für Träger "A" erging auch der Auftrag für Träger "B". Er ging an die Germania-Werft in Kiel. Da die einzige Helling, die für den Bau eines Trägers geeignet war, noch durch den schweren Kreuzer PRINZ EUGEN in Anspruch genommen wurde, konnte der Kiel des Trägers "B" erst Mitte bis Ende 1938 gestreckt werden. Der Stapellauf war für Mitte 1940 vorgesehen.

Für beide Werften waren für das Frühjahr 1941 der Bau der Träger "C" und "D" vorgesehen. Diese Planungen ließen sich unter dem Einfluß des Krieges nicht mehr aufrecht erhalten. Die Arbeiten an Träger "B" wurden bereits im September 1939 gestoppt und alles bisher verbaute Material abgebrochen.

Zum Zeitpunkt des Baustopps am Träger "B" war bei den Deutschen Werken der Träger "A", nunmehr GRAF ZEPPELIN genannt, bereits weit fortgeschritten. In etwa 85 % des Baus waren abgeschlossen. Die Maschinen und Kessel sowie die 15 cm Geschütze waren bereits eingebaut. Die Fertigstellung war eigentlich für Ende 1940 absehbar. Doch schon bald nach dem Ausbuchs des Krieges in September 1939 liefen die Arbeiten immer schleppender. Die Kapazitäten der Werften wurden immer mehr in Richtung des U-Boot Baus verschoben. Daneben galt auch die Fertigstellung der Schlachtschiffe und Kreuzer und auch der Neubau von Zerstören als kriegswichtiger.

So kam Ende April 1940 das vorläufige Aus für den Träger. Die eingebauten 15 cm Geschütze waren bereits vorher ausgebaut worden und fanden Verwendung in Küstenbatterien Norwegens.

Am 06.Juli 1940 verlegte GRAF ZEPPELIN unter Schlepperhilfe nach Gotenhafen um dort als Hulk für Edelholzvorräte zu dienen. Im Juni 1941 verlegte der Träger nochmals. Um ihn vor russischen Luftangriffen zu schützen wurde die Hakenterasse in Stettin der neue Liegeplatz. Als diese Luftangriffe jedoch ausblieben erfolgte im November 1941 die Rückverlegung nach Gotenhafen.

 

Eine zweite Chance für GRAF ZEPPELIN?

Die Einsätze der britischen, amerikanischen und japanischen Flugzeugträger seit Beginn des Krieges erzeugten bei der deutschen Führung ein Umdenken bezüglich des Baustopps von GRAF ZEPPELIN. Nach einigen grundsätzlichen Überlegungen im Bezug auf die Art des Weiterbaus und die künftige Ausstattung mit Jagd- und Sturzkampfflugzeugen erging vom OKM am 13. Mai 1942 der Befehl zum Weiterbau. In der Zeit vom 30. November bis zum 05.Dezember 1942 erfolgte die Verlegung von Gotenhafen nach Kiel. Dort verlegte GRAF ZEPPELIN in ein Schwimmdock der Deutschen Werke. Im Herbst 1943 sollte der Träger zumindest soweit fertiggestellt sein, daß auch Erprobungen stattfinden konnten. Umgehend begannen die Arbeiten an der Antriebsanlage und der Anbau der Seitenwülste.

Mit dem 02. Februar 1943 kam dann aber das endgültige Ende für die Arbeiten an GRAF ZEPPELIN. Der Träger fiel unter den Befehl Hitlers alle großen Einheiten der Kriegsmarine außer Dienst zu stellen. Am 23. April 1943 traf der Träger in Stettin ein. Dort wurde er in der Mönne aufgelegt. Fast genau zwei Jahre später, am 25. April 1945, wurde GRAF ZEPPELIN durch ein deutsches Kommando gesprengt, um ihn für die vorrückende Rote Armee unbrauchbar zu machen.

Russischen Experten gelang es allerdings den Träger soweit schwimmfähig zu machen, das man ihn, mit Beutegut beladen, im Jahre 1947 nach Leningrad schleppen konnte. Dort wurde er dann bis 1949 weitestgehend abgewrackt. Der Torso des Trägers soll bei Torpedoversuchen versenkt worden sein.

 

Technik der Graf Zeppelin

Endschicksal der Graf Zeppelin