LEIPZIG und NÜRNBERG  - Die ungleichen Schwestern

Mit der EMDEN und den drei Kreuzern der “K”-Klasse war erst 1/3 der für die deutsche Marine erlaubten Anzahl von Leichten Kreuzer ausgeschöpft. Aufgrund der Überalterung des Schiffsbestandes bestand ein großes Interesse an der vollen Ausschöpfung des Neubaukontingentes.

Leichte Kreuzer LEIPZIGZuerst wurde der Bau des Kreuzers “E” als Ersatz für den alten Kreuzer NYMPHE ins Auge gefaßt. Seine Konstruktion sollte im wesentlichen auf  den “K”-Kreuzern basieren. Diese stellten hinsichtlich ihrer Armierung, Gesschwindigkeit und Seeigenschaften durchaus gute Konstruktionen dar. Mit einigen Modifikationen sollte der Wert als Kampfschiff für LEIPZIG noch gesteigert werden.

Bei NÜRNBERG wurde ursprünglich auch eine Vergrößerung der Verdrängung angedacht, um eine größere Festigkeit für den Schiffskörper herstellen zu können. Die mangelnde Festigkeit war immerhin eines der schwerwiegenderen Probleme der “K”-Klasse gewesen. Diese Überlegungen wurden jedoch aufgegeben, nachdem klar wurde, daß es sinnvoller wäre dem schweren Kreuzer den Vorzug zu geben. Somit wurde auch NÜRNBERG als 6.000 t Kreuzer geplant und ausgeführt. Das tatsächlich erreichte Gewicht lag allerdings weit darüber.

 

Bewaffnung:

Die Bewaffnung wurde im wesentlichen von den “K”-Kreuzern übernommen. Der Unterschied bei der schweren Artillerie bestand eigentlich nur aus der nunmehr wieder symetrischen  Aufstellung der 15 cm Drillingstürme achtern. Trotz der nunmehr wieder konservativen Aufstellung konnten die achteren Türme bei voller Rohrerhöhung über Schornstein und Vormars nach direkt voraus schießen.

Die schwere und leichte Flak entsprach bei beiden Neubauten den international üblichen Standards.

 

Antrieb:

Leichte Kreuzer NÜRNBERGWie auch bei den “K”-Kreuzern wurde eine gemischte Antriebsanlage aus Turbinen- und Dieselantrieb gewählt. Die Neuerung bestand nun in der Art der Kopplung beider Antriebssysteme. Bei den “K”-Klasse Kreuzers mußte zwischen Turbinen- und Dieselantrieb umgekoppelt werden. Es konnte auch nur einer der beiden aktiv sein.

Bei LEIPZIG und NÜRNBERG war es möglich mit beiden Antriebseinheiten gleichzeitig zu fahren, da die Dieselmotorenanlage auf ihrer eigenen Welle (der Mittelwelle) arbeiten konnte. Durch eine Anwachsen der Motorenleistung  Auf 12.400 PSe war auch die Höhe der Marschfahrt auf 16,5 kn gegenüber der 10 kn der “K”-Klasse gestiegen.

Zum Einsatz kamen vier doppelt wirkende 7zyl. Zweitakt Dieselmotoren der Typen MAN M 7 Zu 30/44 (LEIPZIG) bzw. MAN M 7 Zu 32 (NÜRNBERG). Die Abgasschornsteine für die Dieselmotoren waren fest aufgebaut. Ein Auf- und Abbauen wie bei den “K”-Kreuzern entfiel.

Die Turbinen waren Marine-Einheitsturbinen, gebaut von der Germania Werft, Kiel (LEIPZIG) bzw. von den Deutschen Werken, Kiel (NÜRNBERG).. Die Dampferzeugung für die Turbinen erfolgte bei beiden Kreuzern durch sechs Öl-Marine-Doppelender-Niederdruckkessel mit 17 atü Betriebsdruck bei LEIPZIG und 17 atü bei NÜRNBERG. Die Turbinen konnten eine Leistung von 60.000 PSw erzeugen und ermöglichten den Kreuzern eine Geschwindigkeit von ca. 32 kn.

 

Panzerung und Schiffskörper:

Wie schon bei den “K”-Kreuzern war ein großer Teil des Schiffskörpers (ca. 90 %) geschweißt.

In der Bauform wurde allerdings von der vorherigen Baureihe abgewichen. Durch das Anwachsen der Wellenzahl von zwei auf drei und dem damit veränderten Strömungsverhalten am Heck kehrte man zum runden Kreuzerheck zurück. Bei den “K”-Kreuzern hatte man ein Spiegelheck gewählt.

Um mehr Raum für den Antrieb zu erhalten und um eine Schrägstellung des Panzerschutzes ermöglichen zu können wurden bei den neuen Kreuzern unterhalb der Wasserlinie beiderseits ein Wulst angebaut. In diesen Seitenwülsten wurden Bunker für Betriebsmittel wie Kesselwasser oder Heizöl eingebaut.

Die Panzerung entsprach in etwa der bei den “K”-Kreuzern. Bei LEIPZIG und NÜRNBERG konnte das Panzerdeck an den Seiten in einem Viertelkreis nach unten gezogen werden. Dadurch erhöhte sich gleichzeitig der Seitenschutz.

Als Panzermaterial wurde bei LEIPZIG noch herkömmlicher Nickelstahl verbaut. Durch den späteren Baubeginn von NÜRNBERG konnte bei diesem bereits der neue Panzerstahl “Wotan hart” verwendet werden.

 

Der Bauauftrag für LEIPZIG erging an die Reichsmarinewerft Wilhelmshaven. Im April 1928 wurde der Kreuzer “E” (LEIPZIG) auf Kiel gelegt und am 16. Oktober erfolgte dann der Stapellauf. Nach fast zweijähriger Ausrüstungszeit konnte der Kreuzer am 08. Oktober 1931 in Dienst gestellt werden.

Aufgrund der finanziellen und politischen Lage verzögerte sich der Auftrag zum Bau des Kreuzers “F”. Erst im Juni 1933 wurde der Auftrag an die DeutschenWerke, Kiel vergeben. Nach der Kiellegung im November 1933 und dem Stapellauf am 08. Dezember 1934 konnte NÜRNBERG am 02. November 1935 in Dienst gestellt werden.