Januar 2004

Eine Nachricht, die eher nebenher in der Presse auftaucht elektrisiert die Shiplover der Welt. Vor allem die, die sich mit der Geschichte der deutschen Kriegsmarine und ihrer Schiffe beschäftigen werden hellhörig.

 

"Graf Spee" soll gehoben werden

Unternehmergruppe will das 1939 vor Montevideo versenkte Kriegsschiff bergen

Montevideo - Das kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs vor Montevideo gesunkene deutsche Kriegsschiff "Admiral Graf Spee" soll gehoben werden. Eine Gruppe von Unternehmern wolle bereits Ende des Monats Teile des am 17. Dezember 1939 versenkten Kriegsschiffes bergen, sagte der Chef der Bergungsgruppe, Héctor Bodano, am Mittwoch in Medienberichten aus Uruguay. Für die Bergungsarbeiten hätten sich mehrere Filmteams und Regisseure angesagt, darunter auch der Amerikaner James Cameron ("Titanic").

Langfristig solle das Schiff restauriert und in Montevideo als Museumsschiff der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, hieß es weiter. Früher war bereits eine der Kanonen der "Admiral Graf Spee" gehoben worden. Sie ist im Marinemuseum Uruguays ausgestellt.

dpa / Stuttgarter Nachrichten 14.01.2004
 

Das Panzerschiff GRAF SPEE, das dritte Schiff der DEUTSCHLAND-Klasse soll wieder ans Tageslicht kommen. Eine Meldung die kaum zu glauben ist. Wer ist der Initiator dieses Vorhabens? Was sind seine Beweggründe?

Die nachfolgenden Meldungen scheinen etwas Aufklärung zu bringen:

 

Panzerschiff „Graf Spee“ soll vor Montevideo gehoben werden

Seit fast 70 Jahren liegt sie in der Mündung des Rio Plata, im Hafen von Montevideo (Uruguay). Jetzt soll die „Graf Spee“, legendäres Panzerschiff der deutschen Kriegsmarine, gehoben werden.
Schon Ende Januar sollen die Bergungsarbeiten beginnen, so Alfredeo Etchegaray. Ihm gehören die Rechte an dem Schiff. James Cameron, Regisseur des Kino-Welterfolges „Titanic“, hat schon Interesse an der „Graf Spee“ gezeigt, will die Überreste des Schiffes in Montevideo begutachten.
Die Geschichte des 186 Meter langen Panzerschiffes - sie ist tatsächlich hollywoodreif, vereint Tragik und Absurdität des Krieges auf beeindruckende Weise. [...]

Bild-Zeitung 14.01.2004

 

"Graf Spee" - wird der Mythos gehoben?


Titanic-Regisseur Cameron plant spektakuläre Aktion vor Montevideo. Warum aber wurde das deutsche Panzerschiff 1939 von seiner eigenen Besatzung versenkt?

Von Frank Ilse

Hamburg - Eine schwarze Boje ist alles, was noch sichtbar ist. Sie tanzt in der Mündung des Rio de la Plata und markiert das Grab eines Schiffes, über das ähnlich viele Geschichten erzählt werden, wie über die "Titanic" oder die "Bismarck". Keine 30 Meter unter der schwarzen Boje liegt die "Admiral Graf Spee". Das deutsche Panzerschiff wurde von einem Teil seiner Besatzung am 17. Dezember 1939 in der La-Plata-Mündung versenkt. Jetzt will sich der amerikanische Regisseur und Filmemacher James Cameron, der schon "Titanic" und "Bismarck" in eisiger Tiefe besuchte, daran machen, die "Spee" wieder ans Tageslicht zu fördern. Ein Schiff, das wenige Tage lang für Aufsehen in der ganzen Welt sorgte. [...]
 

Hamburger Abendblatt 17.01.04

 

James Cameron, Regisseur des Filmes „Titanic“ und Herausgeber einer Dokumentation über das Schlachtschiff  BISMARCK soll also die treibende Kraft hinter den Hebungsplänen sein. Auch wird bekannt, daß die Besitzrechte an dem Schiff sich in privater Hand befinden sollen. Dies wird im nächsten Artikel nochmals bestätigt. In diesem Artikel taucht auch der Name Hector Bado auf. Der Wracktaucher Hector Bado wurde im Zusammenhang mit der GRAF SPEE schon 1997 bekannt. Damals gelang es ihm mit seinem Team eines der 15cm Geschütze vom Wrack zu bergen. Dieses Geschütz wird heute in Montevideo ausgestellt.

 

 

Um genaueres zum derzeitigen Status des Wracks zu erhalten und um die Meldungen von einer Hebung der GRAF SPEE bestätigt zu bekommen nahm ich Kontakt mit Thomas Schmid auf. Er wurde in einem Zeitungsbericht als Europa-Koordinator benannt.
Auf meine Anfrage zur Richtigkeit der Meldungen bezüglich der Hebung und seiner Aufgabe im Projekt bekam ich folgende Antwort:

 

Zitat:

Hallo Wolfgang,

2 mal Ja. An der Nachricht ist was dran und ich versuche mich als
Tierbändiger in Europe (Coordinator). Leider habe ich im Moment keine
Zeit mich in euere Diskussion einzumischen, aber folgendes ist Fakt:

Der Rumpf der GS ist in weit besserem Zustand als allgemein Vermutet.
Hülle wurde durch Frachter Unfall beschädigt zw. 2. Ankerklüse und Turm
B an Backbord.
Der Vordere Kommandostand ist intakt.
Der Turmmast liegt neben dem Schiff aber ist intakt.
Der Vorderen 28cm ist intakt.
Der Entfernungsmesser der auf dem Turmmast montiert war liegt neben dem
Turmmast.
Das Heck liegt auf dem Kopf.
Das Schiff ist nur in 2 Teile zerbrochen. Bruchstelle Babette B. Grund
Turm B ist explodiert und nur noch in Fetzen erhalten.
Zerstörungen durch Explosion zw. ende hinteren Aufbauten und
Torpedo-Rohren.
Torpedo-Rohre intakt.
Kamin vorhanden aber ....
Alle Aufbauten montiert auf dem Aufbaudeck sind vorhanden exklusive,
Kran, Kamin und Turmmast.
10.5cm: 2 intakt, 1 zerstört.
15cm ???
3.7 cm mindestens 2 intakt
2cm ????

Thomas Schmid

Zitat Ende

 

 

Nur wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Hebungsabsicht kam der erste Dämpfer. Die Bergung konnte doch nicht so reibungslos vonstatten gehen. Die nachfolgende Meldung verdeutlicht dieses.

 

Bergung von Kriegsschiff "Graf Spee" verzögert sich

Montevideo (AFP) - Die Bergung des zu Beginn des Zweiten Weltkriegs vor Montevideo gesunkenen deutschen Kriegsschiffs "Admiral Graf Spee" ist auf Anfang Februar verschoben worden. Die klimatischen Bedingungen seien der Grund für die Verzögerung der ursprünglich für Ende Januar vorgesehenen Hebung des Wracks, sagte der Leiter der Bergungsaktion, Hector Bado. Das in zwei Teile gebrochene Schiff soll, wenn alles nach Plan läuft und das Wetter günstig ist, bis 5. Februar gehoben sein.

Das schätzungsweise rund 27 Tonnen schwere Wrack liegt rund fünfzig Kilometer vor Montevideo in acht Metern Tiefe auf Grund. Heutiger Inhaber der Rechte an dem Schiff ist der Uruguayer Alfredo Etchegaray, der aus dem Kreuzer eine Touristenattraktion machen will.

 

YAHOO! Nachrichten 19.01.04

 

In dieser Meldung steckt ein Fehler! Schon die unglaublich optimistische Einschätzung, daß das Wrack bis zum 5. Februar gehoben sein soll, muß einen stutzig machen. In nur 2 ½ Wochen würde demnach die ganze Aktion abgeschlossen sein. Eine äußerst merkwürdige Einschätzung.

Die Erklärung lät sich aber im zweiten Absatz finden. Dort wird vom 27 Tonnen schweren Wrack gesprochen. Es kann sich also nicht um die GRAF SPEE in ihrer Ganzheit handeln, sondern es wird ein Fehler in der Übersetzung oder Ausdrucksweise vorliegen. Die Vermutung liegt nahe, daß es sich nur um ein einzelnes Teil des Schiffes handelt.

Dieses bestätigt sich dann auch.

 

Deutsches Kriegsschiff soll geborgen werden

Der Kreuzer "Admiral Graf Spee" ging 1939 vor Uruguay unter

MONTEVIDEO (AFP). 64 Jahre nach seinem Untergang soll das legendäre deutsche Kriegsschiff "Admiral Graf Spee" in Uruguay vom Meeresgrund gehoben werden. Seit 1939 liegt der Zerstörer im Hafenbecken von Montevideo, bislang hatte erst eine der Bordkanonen an Land gebracht werden können. Die Bergungsarbeiten sollen am Donnerstag mit der Hebung des 27 Tonnen schweren Entfernungsmessers beginnen.

Das in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stark angeschlagene Uruguay erhofft sich durch die spektakuläre Aktion vor allem einen Auftrieb für den Tourismus. Doch auch internationale Experten und Fernsehteams begeistern sich für das millionenteure Projekt.

Seit Jahren hat der uruguayische Unternehmer Alfredo Etchegaray auf diesen Moment hingearbeitet. Der Hobbyhistoriker hatte sich die Besitzrechte an der "Graf Spee" gesichert, sich mit den Behörden herumgeschlagen und auf die Suche nach internationalen Sponsoren gemacht. Neben Forschern wie den Unterwasserarchäologen Mensun Bound aus Oxford hat Etchegaray auch US-Filmemacher James Cameron ins Boot geholt, der mit seinem Film "Titanic" berühmt wurde. Die Film- und Fernsehrechte sollen einen guten Teil der Kosten wieder hereinbringen. Die Bergung des in drei Teile zerbrochenen Schiffes, das in acht Metern Wassertiefe im Schlamm steckt, wird Jahre dauern.

 

Badische Zeitung 03.02.04

 

Es handelt sich also um einen der Entfernungsmesser, der zur Artillerieleitanlage der GRAF SPEE gehörte. Es wird nun auch für die Hebung ein Zeitraum von mehreren Jahren genannt, welches der Realität wohl wesentlich näher kommt. Auch hier taucht wieder der Name James Cameron auf. Es verdichten sich die Anzeichen, daß die Hebung, neben einer Stärkung des Tourismus in Uruguay, auch zu einer Vermarktung durch Cameron führen wird. Das er dies erfolgreich durchführen kann zeigt seine Dokumentation über die BISMARCK welche auf Video/DVD erschienen ist und auch bei RTL im Abendprogramm gezeigt wurde.

Wenig später tauchen neue Details auf:

 

Hebung wird langwierig und schwierig

Bergungsarbeiten beginnen Freitag - Schäden am Schiff dürften erheblich sein [...]

[...] Bevor die "Graf Spee" wie geplant als Museumsschiff im Hafen von Montevideo der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, werden "Millionen im mehrstelligen Bereich" notwendig sein, ist sich Bado sicher. Die Bergungsgruppe, die zunächst von dem uruguayischen Unternehmer Alfredo Etchegaray finanziert werde, hofft auf Sponsoren aus den Reihen der deutschen Wirtschaft.

Denn die Schäden dürften erheblich sein. Am 17. Dezember 1939 machte eine gewaltige Explosion dem bereits in einer Seeschlacht erheblich beschädigten Kriegsschiff ein jähes Ende. Die meisten der 1100 Mann Besatzung kamen in Argentinien in ein Internierungslager, in dem sich Langsdorff nur vier Tage später das Leben nahm.

Durch die Zündung mehrerer Torpedosprengköpfe und der anschließenden Explosion der restlichen Munition war das etwa 1000 Tonnen schwere Heck abgebrochen. Schnell versank das Kriegsschiff in den Fluten des Rio de la Plata, der dort jedoch nur wenige Meter tief ist. Die aus dem Wasser ragenden Aufbauten brannten noch tagelang.

Mit dem Entfernungsmesser wurden die Ziele für die Geschütze erfasst. Das Gerät ist 10,5 Meter lang, 6 Meter hoch und wiegt 27 Tonnen. "Es liegt neben dem Rumpf und ist damit leicht zugänglich. Dabei wird ein in Deutschland entwickeltes Gerät zur Orientierung in dem undurchsichtigen Flusswasser zum Einsatz kommen", sagt Schmid. Mit einem Echolot und anderen Sensoren werde ein virtuelles Unterwasserbild erstellt.

Zum Glück sei weniger Sand und Schlamm in das Innere der Graf Spee gespült worden, als zunächst angenommen. "Trotzdem sind das mindestens 6000 Tonnen und damit genauso viel, wie der Schiffsrumpf wiegt. Die müssen erst herausgespült werden", sagt Bado. Und vor der Hebung müssten auch unbedingt schwere Teile wie der vordere Geschützturm geborgen werden. "Er allein wiegt 385 Tonnen." Für die Lagerung und Restaurierung der geborgenen Teile habe die Marine Uruguays eine große Halle zur Verfügung gestellt.

Besondere Hoffnungen verbinden sich mit den Offiziersquartieren, die vermutlich nicht ausgebrannt seien und deshalb noch historisch interessante Gegenstände enthalten könnten. Der frühere Präsident der deutschen Handelskammer in Montevideo, Rudolf Holm, der seit 1937 in Uruguay lebte, sah das jedoch ganz anders. "Eine Bergung ist Irrsinn. Da ist nichts mehr zu holen", tat er schon 1989 damalige Pläne für eine Hebung des symbolträchtigen Wracks ab.

Stuttgarter Zeitung 03.02.2004 - aktualisiert: 06.02.2004, 14:17 Uhr
 

 

Die Diskussion über das für und wieder einer Bergung des Wracks und einer anschließenden Restaurierung zieht sich auch durch die diversen Foren im Internet. Vor allem um die Finanzierung wird lebhaft diskutiert. Aber auch die technischen Probleme werden erörtert.

Ist die Hebung des Schiffes technisch machbar? Kann eine Hebung so stattfinden, daß danach eine Verwendung als Museumsschiff überhaupt möglich ist? Und wie hoch werden die Beträge sein, die für die Restaurierung des in großen Bereichen ausgebrannten Schiffes aufgewendet werden müssen?
Es werden etliche Millionen sein und die Hoffnung nach Sponsoren aus der deutschen Wirtschaft ist sicher als sehr optimistisch anzusehen.

Zurück zur Bergung.

 

Bergung der "Graf Spee" in Uruguay verschoben

 

Montevideo (AFP) - Wegen widriger Wetterbedingungen ist der Bergungsbeginn des legendären deutschen Kriegsschiffes "Admiral Graf Spee" in Uruguay erneut verschoben worden. Die Arbeiten sollen nun am kommenden Montag beginnen, sagte der Leiter der Bergungsaktion, Hector Bado. Um den Zerstörer, der seit 1939 im Hafenbecken von Montevideo liegt, an Land zu holen, muss es absolut windstill sein. Die Aktion wurde bereits mehrfach verschoben.

 

Yahoo Nachrichten 05.02.04

 

Verschiebung des Beginns der Bergung auf Montag (09.02.04).

Es kam aber wieder einmal anders:

 

Bergung der Graf Spee

Sturm verzögert Tauchgänge

Hoher Wellengang hat die Bergung des tonnenschweren Entfernungsmessers der 1939 vor Uruguays Hauptstadt Montevideo gesunkenen "Admiral Graf Spee" verhindert. Immer wieder seien die Stahltrossen gerissen, sagte der Unternehmer Alfredo Etchegaray. Zudem sei es schwierig gewesen, den Kran mit Hilfe von zwei Schleppern auf Position zu halten. Seit Ende Januar war der Beginn der Aktion wegen Sturms und hoher Wellen bereits drei mal verschoben worden.

Die Männer unter Leitung des Bergungsexperten Héctor Bado hätten bis zum Einbruch der Nacht gearbeitet und seien völlig erschöpft. Kommenden Montag solle ein weiterer Versuch unternommen werden, das 27 Tonnen schwere Gerät zur Zielerkennung zu bergen. Es sei auch mit dem ersten auf Kriegsschiffen installierten Radar versehen, sagte Bado.

 

NTV 10.02.04

und

Graf Spee» bleibt auf Grund

Montevideo   Erste Versuche zur Bergung abgebrochen

Die ersten Versuche zur Bergung des deutschen Kriegsschiffes «Admiral Graf Spee» in Uruguay sind erfolglos abgebrochen worden. 14 Stunden lang versuchten die Spezialisten am Montag mit einem schwimmenden Kran, Teile des Kommandostandes vom schlammigen Grund des Rio de la Plata zu heben. Starker Wind und hohe Wellen behinderten die Bergungsbemühungen, zweimal rissen die Befestigungskabel. Auch gestern konnten die Arbeiten wegen stürmischen Wetters nicht fortgesetzt werden.

Zahlreiche Schaulustige hatten von Land und auf Ausflugsschiffen die Aktion vor der uruguayischen Hauptstadt Montevideo mitverfolgt. Dort liegt das Schiff seit 1939 nach der «Schlacht vom Rio de la Plata» in nur wenigen Meter Tiefe auf Grund. Die Millionen teure Bergungsaktion wird von privaten Investoren aus den USA und aus Europa finanziert. Innerhalb dreier Jahre soll das 186 Meter lange Panzerschiff Stück für Stück geborgen und wieder zusammengebaut werden.
«Es ist frustrierend, dass wir diese historische Operation womöglich nicht durchführen können», sagte Evangelio Izquierdo, Kapitän eines der an der Aktion beteiligten Schlepper. Widrige Wetterverhältnisse hatten den ursprünglich für Freitag vorgesehenen Beginn der Arbeiten bereits verzögert. Am Montagabend wurde der 59 Meter hohe Kran nach vier gescheiterten Bergungsversuchen zurückgezogen. Der Leiter des Bergungsteams, Hector Bado, zeigte sich gestern gleichwohl optimistisch, dass die Aktion schliesslich von Erfolg gekrönt sein werde. (ap)
Zofinger Tageblatt 11.02.04

 

Vorerst wird wohl noch nichts aus der Bergung. Es wird zumindest schwieriger als angenommen.

Als neuer Termin für einen Hebungsvesuch des Entfernungsmessers ist der Montag, 16.02.04 ins Auge gefasst.

Bergung der «Graf Spee» fehlgeschlagen

Der erste Versuch zur Bergung des Entfernungsmessers des 1939 vor Uruguay gesunkenen deutschen Kriegsschiffes «Admiral Graf Spee» ist fehlgeschlagen. Starker Wind und hoher Wellengang haben am Montag immer wieder die Stahltrossen reissen lassen, sagte der Unternehmer Alfredo Etchegaray der dpa. Zudem sei es schwierig gewesen, den Schwimmkran vor der Küste der Hauptstadt Montevideo mit Hilfe von zunächst nur einem und später einem zweiten Schlepper auf Position zu halten. 
Seit Ende Januar war der Beginn der Aktion wegen Sturms und hoher Wellen bereits drei mal verschoben worden. Als nächster Termin für die Bergung des 27 Tonnen schweren Gerätes zur Zielerfassung sei der kommende Montag ins Auge gefasst worden, sagte Etchegaray weiter. Das Gerät ist 10,5 Meter lang und sechs Meter hoch. Zu dem Entfernungsmesser gehöre auch eines der ersten je auf einem Kriegsschiff installierten Radargeräte.

Die Männer unter Leitung des Bergungsexperten Héctor Bado hätten bis zum Einbruch der Nacht gearbeitet und seien völlig erschöpft. Der ursprünglich geplante Einsatz eines staatlichen, wesentlich grösseren Krans sei wegen des schlechten Wetters nicht möglich gewesen. Deshalb sei der kleinere Schwimmkran einer privaten Firma gemietet worden, sagte Bado.
 

espace.ch 11.02.04

 Ein interessanter Aspekt ist auch die Frage ob Etchegaray die GRAF SPEE überhaupt heben darf. Die Eigentumsrechte die er vom Staat Uruguay erhalten haben will sind umstritten. Folgende Betrachtung fand sich in der FAZ:

[...]Doch auch unerwartete Schwierigkeiten dräuen. Die deutsche Bundesregierung, die sich als rechtmäßige Eigentümerin des gesunkenen deutschen Kriegsschiffes betrachtet, hat keine Einwilligung zur Hebung erteilt. Nach Informationen des Auswärtigen Amtes lag in Berlin keine derartige Anfrage vor. Berlin vertritt die Auffassung, daß alle Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg im Einsatz waren, weiterhin Eigentum des Flaggenstaates sind. Zudem wurde die "Graf Spee" in internationalen Gewässern versenkt. Mitte der siebziger Jahre hatte Montevideo jedoch unilateral seine Hoheitsgewässer von drei auf zwölf Seemeilen ausgedehnt, womit das Panzerschiff unter uruguayische Jurisdiktion fiel.[...]

FAZ 09.02.04

 

Meines Wissens nach bleibt ein Schiff auch dan Eigentum eines Reeders oder eines Staates selbst wenn es innerhalb der Grenzen eines fremden Staates strandet oder versinkt. Der Eigentümer hat dann sogar für die Kosten der Bergung aufzukommen.
Die Eigentumsrechte erlöschen nur dann wenn der Eigner das Schiff offiziell aufgibt. In diesem Fall geht es in die Hoheit des Staates über in dem es sich zu diesem Zeitpunkt befindet.
Es wird sicher noch ein interessanter juristischer Nachschlag erfolgen.
Dem Grundgesetz nach ist die Bundesrepublik Deutschland der Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches und dies umfasst auch alle Vermögenswerte. Hieraus ergibt sich sicher ein Eigentumsanspruch an dem Wrack (inclusive der Zahlungsverpflichtung).
Andererseits könnte die eindeutig vorgenommene Selbstversenkung als offizielle Aufgabe des Schiffes gewertet werden.

 

25.02.2004
Nach vielen Schwierigkeiten ist nun mit dem Entfernungsmesser das erste Teil der GRAF SPEE geborgen worden !

Bergung eines ersten Teils der „Graf Spee” geglückt
 
Montevideo - Der tonnenschwere Entfernungsmesser des 1939 vor Montevideo gesunkenen deutschen Kriegsschiffs "Admiral Graf Spee" ist am Mittwoch gehoben worden. Das teilte der Chef der privaten Bergungsgruppe, der uruguayische Unternehmer Alfredo Etchegaray, mit. Das insgesamt etwa 27 Tonnen schwere Gerät zu Zielerfassung sei von einem Schwimmkran aus dem nur wenige Meter tiefen Wasser gezogen worden und werde nun in den Hafen der Hauptstadt Uruguays transportiert.

Kölnische Rundschau 25.02.2003