Die unfertigen Kreuzer

 

Entwicklung

Durch den deutsch-britischen Flottenvertrag war es dem deutschen Reich gestattet seine Flotte mit fünf der sogenannten "Washington-Kreuzer" zu verstärken. Man versichtete deutscherseits auf zwei Neubauten und vergab nur drei Aufträge für die Kreuzer G (ADMIRAL HIPPER), H (BLÜCHER) und I (PRINZ EUGEN).
Die Kreuzerneubauten K und L sollten nur dann zur Ausführung kommen, wenn besondere Umstände dies erforderlich machen würden.
Aufgrund von Berichten über sowjetische Kreuzerneubauten wurde von Generaladmiral Raeder im Juni 1936 der Bau der Kreuzer K und L angeordnet. Sie sollten mit 15 cm Geschützen als schwere Artillerie ausgerüstet werden. Die Kreuzer wären trotz ihrer Größe von 10000 t und der, mit 12 Rohren, hohen Anzahl von Geschützen bei der SA noch als leichte Kreuzer eingestuft worden.
Diese Angabe der Einstufung wurde gegenüber den Briten beibehalten, auch nachdem Hitler im November 1936 befahl, die Schiffe als schwere Kreuzer zu bauen.
Als Planungsgrundlage dienten die Pläne der PRINZ EUGEN. Durch die identische Größe der Barbetten eines 20,3 cm Zwillings- und eines 15 cm Drillingsturmes konnte die Planung in beiden Bestückungsvarianten fast identisch erfolgen. Auch bei dem Schiffsgewicht gab es kaum Unterschiede zwischen den beiden Ausführungen.
Aufgrund dieser Umstände war es der Deschimag-Werft in Bremen, die den Bauauftrag für beide Kreuzer erhalten hatte, möglich ohne größere Änderungen und Probleme den Bau durchzuführen. Und das, obwohl der Bauauftrag schon im Juli 1936, rund vier Monate vor dem Befehl Hitlers, ergangen war.

In der Planung als leichte Kreuzer war für die Schiffe eine schwere Artillerie von 12 x 15 cm in Drillingstürmen vorgesehen. Diese Türme waren bereits auf den Kreuzern der K-Klasse sowie auf LEIPZIG und NÜRNBERG eingebaut worden.
Die Aufstellung sollte, entsprechend der Anordnung der SA auf der HIPPER-Klasse, mit je 2 Türmen vorn und achtern bei Überhöhung der Türme B und C erfolgen. Da die weitere Bewaffnung mit der HIPPER-Klasse weitestgehend identisch geplant war, griff man auf die Bauunterlagen des letzten Schffes dieser Klasse, der PRINZ EUGEN zurück.
Mit dem Befehl zum Bau als schwere Kreuzer wurden K und L faktisch Schwesterschiffe der PRINZ EUGEN und zählten somit zur HIPPER-Klasse.
Es wurde nunmehr folgende Bewaffnung vorgesehen:

 

8 x 20,3cm/60 SK C/34 in vier Zwillingstürmen
12 x 10,5cm/65 SK C/31 in sechs Doppellafetten
12 x 3,7cm/83 SK C/30 in sechs Doppellafetten
8 x 2cm/65 MG C/30 in acht Einzellafetten
12 x 53,3cm Torpedorohre in Drillingssätzen
1 Katapult
3 Bordflugzeuge

Am 19.01.1939 lief Kreuzer K als SEYDLITZ und am 01.07.1939 Kreuzer L als LÜTZOW vom Stapel.

 

Die Seydlitz

Nach dem Stapelauf wurde die SEYDLITZ an den Ausrüstungspier der Deschimag-Werft verholt um dort fertiggestellt zu werden. Im Mai 1942 war das Schiff zu ca. 90% fertiggestellt. Alle vier Türme der schweren Artillerie waren bereits eingebaut.
Zu diesem Zeitpunkt war der Seekriegsleitung klar geworden, daß die Kriegsmarine eine größere Anzahl von Flugzeugträgern benötigen würde. Der Wert des Flugzeuges als Kampfmittel des Seekrieges war nicht zuletzt bei der erfolgreichen Jagd auf das Schlachtschiff BISMARCK ersichtlich geworden.
Neben dem Bau des Trägers GRAF ZEPPELIN wurden größere Fahrtgastschiffe als Umbaukandidaten zu Flugzeugträgern in Erwägung gezogen. Gleichzeitig fasste man die SEYDLITZ für einen Umbau ins Auge.
Trotz des bereits weit fortgeschrittenen Baustadiums des Kreuzers befahl Hitler am 26.August 1942 den Rück- und Umbau zum Flugzeugträger.
Der Umbau wurde unter dem Decknamen "WESER-1" in Dezember 1942 in Angriff genommen. Nachdem man den Rückbau mit dem Entfernen der 20,3cm begonnen hatte gingen die Arbeiten recht zügig voran und im Frühjahr 1943 waren die Aufbauten, bis auf den Schornstein, entfernt. Auch eine große Anzahl von Rückbauten in verschiedenen Decks waren bereits abgeschlossen, so das in nächster Zeit mit dem Aufbau von Flugdeck und weiterer spezifischer Umbauten begonnen werden konnten.
Die Planungen sahen eine Ausrüstung mit zehn Sturzkampfflugzeugen des Typs JU-87D sowie 10 Jägern des Typs ME-109G vor. Als Startanlagen waren zwei Katapulte geplant, die denen der GRAF ZEPPELIN entsprachen.
Die Artilleriebewaffnung sollte wie folgt aussehen.

 
10 x 10,5 cm in fünf Doppellafetten
10 x 3,7 cm in fünf Doppellafetten
24 x 2 cm in sechs Vierlingslafetten

Die Länge des Schiffes hätte 216 m, der Tiefgang 6,65 m und das Gewicht ca. 17100 t betragen.

Mit dem Befehl Hitlers zur Außerdienststellung aller schweren Einheiten im Anfang von 1943 erfolgte für die SEYDLITZ der sofortige Bausstop. Nach einer einjährigen Liegezeit in der Bauwerft wurde de unfertige Rumpf Ende März nach Königsberg geschleppt um ihn den allierten Luftangriffen zu entziehen.. Ein Weiterbau erfolgte nicht mehr.
Ab Dezember 1944 diente das Schiff als Wohnschiff , bevor es am 29.01.1945 im Hafen von Königsberg selbst versenkt wurde.
Nach einer erfolgten Bergung durch die Russen ist der verbliebene Rest der SEYDLITZ im Jahr 1947 in den Finnischen Meerbusen geschleppt und dort entgültig versenkt worden.

 

Die Lützow

Im August 1933 wurde der deutsch - russische Nichtangrifspakt geschlossen, in dessen Folge die Handelbeziehingen intensiviert wurden. Als Gegenleistung für russische Warenlieferungen verlangten diese unter anderem Baupläne der BISMARCK-Klasse und auch die Lieferung von kompletten Kriegsschiffen.
So sollten SEYDLITZ und LÜTZOW an Russland verkauft werden. Die deutsche Führung war allerdings nur zum Verkauf eines der Kreuzer bereit und so wurde die LÜTZOW als das am wenigsten fortgeschrittene Schiff am 11.02. 1940 an Russland verkauft. Zu diesem Zeitpunkt war die Antriebsanlage noch nicht fertiggestellt und der Kreuzer somit noch fahrunklar. Nur zwei der vier schweren Türme waren eingebaut und nur einer dieser Türme hatte seine Bestückung mit 20,3cm Geschützem erhalten.
Am 15.04 1940 begann unter Schlepperhilfe die Überführung nach Leningrad. Hier sollte sie fertiggestellt werden.
Bei der Fertigstellung sollten 70 deutsche Werftarbeiter untr der Leitung des KAdm (Ing) Feige den Russen zur Seite stehen. Gleichzeitig wurde der Weiterbau durch deutsche Materiallieferungen unterstützt.
Unter dem Eindruck der Vorbereitungen des Russlandfeldzuges wurden diese Lieferungen ab Anfang 1941 gedrosselt und das deutsche Personal nach und nach abgezogen. Am 21.06 1941 verließ der letzte deutsche Berater Leningrad.
Zurück blieb ein unfertiger und nicht fahrbereiter Kreuzer, der mittlerweile den Namen PETROPAVLOVSK erhalten hatte.
Im Zuge der Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt Leningrad ließ die russische Führung den Kreuzer soweit fertigstellen, daß zumindest eine Feuerbereitschaft erreicht wurde. In diesem Zustand griff die Artillerie des Kreuzers im September 1941 in den Abwehrkampf gegen die heranrückenden deutschen Truppen ein. Am 17.September wurde die PETROPAVLOVSK selbst schwer getroffen und bekam aufgrund von Wassereinbruch starke Schlagseite. Bedingt durch den Ausfall der E-Werke und der Pumpen konnte der Wassereinbruch nicht mehr gestoppt werden und der Kreuzer setzte sich auf Grund.
Genau ein Jahr später konnte das Schiff nach provisorischer Abdichtung und unter der Zuhilfenahme bordfremder Pumpen gehoben und zu einem neuen Liegeplatz verholt werden.
Erneut konnte im Januar 1945 eine Feuerbereitschaft hergestellt werden und so griff der nun in TALLINN umbenannte Kreuzer in den Kampf gegen die deutschen Truppen ein. Nach der Zuückschlagung der Wehrmacht verblieb der nunmehr für den Kampfeinsatz wertlos gewordene Kreuzer in Leningrad und wurde als Wohnhulk eingesetzt.
In den späten 50er Jahren wurde das Schiff nochmals in umbenannt. Als DNEPR wurde es nach Kronstadt geschleppt und 1958 abgebrochen