Am 27. Juni 1942 lief der Konvoi PQ 17 mit  35 Frachtern, 3 Rettungsschiffen und 2 Flottentankern (als Versorger für die begleitenden Zerstörer)  aus dem Hafen von Reykjavik aus. Zwei der Frachter und ein Flottentanker blieben aufgrund von Havarien schon kurz nachdem zurück. Der Geleitzug  wurde am 01. Juli um 14.32 Uhr durch ein deutsches BV 138c Aufklärungs-Flugboot gesichtet und gemeldet.
PQ 17 sollte durch zwei Überwasserkampfgruppen der Kriegsmarine abgefangen werden. Die Kampfgruppen bestanden aus insgesamt sechzehn Schiffen.

Kampfgruppe I (Adm. Schniewind):
Schlachtschiff TirpitzTIRPITZ, ADMIRAL HIPPER, Zerstörer FRIEDRICH IHN, HANS LODY, KARL GALSTER, THEDOR RIEDEL und RICHARD BEITZEN  Torpedoboote T7 und T15

Kampfgruppe II (Vadm. Kummetz):
LÜTZOW,  ADMIRAL SCHEER, Zerstörer Z24, Z27, Z28, Z29, Z30

Schwerer Kreuzer Admiral HipperAm 2. Juli, erteile  die SKL dem Flottenchef, Adm. Schniewind, den Befehl die Einheiten für einen Einsatz zu versammeln. Hitlers Zustimmung zu dieser Operation, welche den Namen Rösselsprung tragen sollte, erfolgte unter der Vorgabe das die Flotte nicht in eine Schlacht mit überlegenen Feindkräften verwickelt werden dürfe und das Flugzeugträger, welche evtl. in der Nähe des Geleites operierten., zuerst ausgeschaltet werden müssten.
Die Deutschen wussten, dass die Home Fleet mit 2 Schlachtschiffen (DUKE OF YORK, und USS WASHINGTON, einem Flugzeugträger (VICTORIOUS) und zwei Kreuzern zwischen Jan Mayen und der Bäreninsel stand. Diese Gruppe sollte die Ferndeckung des
Schwerer Kreuzer Admiral ScheerGeleitzuges gegen schwere deutsche Überwasserstreitkräfte übernehmen.
Beide Bedingungen Hitlers waren also nicht wirklich erfüllt.. Dennoch lief die deutsche Flotte aus.

Die Kampfgruppe II verließ den Hafen von Narvik und verlegten in den Altafjord. Die Kampfgruppe I lief von Drontheim in Richtung des Vestfjords. Das Auslaufen der deutschen Schiffe blieb umbemerkt. Doch schon kurz nach Beginn der Aktion gab es die ersten Ausfälle. Drei Zerstörer der Kampfgruppe I (HANS LODY, KARL GALSTER und THEDOR RIEDEL) erlitten Grundberührung in der Gimsöystraumen  und mussten den Einsatz abbrechen.  HANS LODY beschädigte sich bei der Kollision mit einem (auf den Karten nicht eingezeichneten) Felsen ihr Ruder und beide Schrauben. KARL GALSTER versuchte an Steuerord auszuweichen und erlitt dabei Grundberührung. Sie beschädigte sich dabei die Backbordwelle.
Die Kampfgruppe II sollte zum Nordausgang des Altfjords verlegen. Dabei hatte LÜTZOW am 2. Juli in dichtem Nebel Grundberührung, als sie sich im Tjeldsund, einem Nebenarm des Vestfjords, befand. Für den Kreuzer war die Unternehmung also auch schon beendet. Seine Außenhaut war auf einer Länge von 80m beschädigt und unter beiden Getrieberäumen sowie unter drei Motorenräumen waren die Doppelbodenzellen vollgelaufen. Vadm. Kummetz stieg daraufhin auf die ADMIRAL SCHEER über.
Beide Kampfgruppen liefen zu ihren planmäßigen Ankerplätzen an denen sie auf den Einsatzbefehl zu warten hatten. Die Zerstörer ergänzten bei dieser Gelegenheit Brennstoff. Dafür standen zur Verfügung: Im Gimsöystraumen die Tanker NORDMARK und TIGER, sowie im Altafjord die DITHMARSCHEN und C.A.LARSEN. Der Befehl zum Auslaufen sollte um 22 Uhr gegeben werden.
Die Abgabe dieses Befehls wurde jedoch durch den Befehlshaber der Gruppe Nord, Großadmiral Carls, auf Weisung Hitlers unterbunden. TIRPITZ, HIPPER und die verbliebenen Zerstörer und Torpedoboote sollten bis zur Abgabe des entgültigen Einsatzbefehls in den Altafjord verlegen und sich dort  mit dem Verband um ADMIRAL SCHEER vereinen.

Britische Aufklärer stellten am 3. Juli 1942 fest, dass sich die Kampfgruppe I mit TIRPITZ nicht mehr in Trondheim befand. Eine Aufklärung über den Lofoten konnte aufgrund der dortigen schlechten Wetterlage nicht stattfinden.
Eine weitere Aufklärung durch Flugboote im Gebiet zwischen dem Geleitzug und dem Nordkap blieb ebenfalls ergebnislos.
Somit stand der Führung der britischen Flotte am 4.Juli nur die Nachricht zur Verfügung, dass TIRPITZ und die Kreuzer sich nicht mehr an ihren normalen Liegeplätzen befanden. Aus dieser unklaren Lage heraus wurde die Annahme getroffen, dass sich die Kampfgruppe um TIRPITZ im Anmarsch auf den Geleitzug befand. In diesem Falle bestand eine große Gefahr für den Kreuzerverband, welcher die Nahsicherung für den Geleitzug übernommen hatte. Er bestand aus den Kreuzern LONDON, NORFOLK, WICHITA und TUSCALOOSA und war damit zu schwach um gegen eine Streitmacht aus TIRPITZ sowie 2 - 3 schweren Kreuzern (darunter auch den 28cm Geschütze tragenden ehemaligen Panzerschiffen) zu bestehen. Daher befahl der 1. Seelord, Adm. Sir Dudley Pound, dem Kreuzerverband sich nach Westen abzusetzen. Gleichzeitig erging der Befehl an den Geleitzug, sich aufzulösen. Dies bedeutete, dass die Schiffe zwar den Kurs in Richtung Russland beibehielten, dabei aber ihre max. erreichbaren Geschwindigkeiten aufnahmen. Durch diese Maßnahme sollten sich die schnelleren Schiffe einen Vorsprung gegenüber den deutschen Einheiten erfahren.
Gegen halb zehn Uhr abends erging dann aber der Befehl zur völligen Zerstreuung. Hierbei würden die Schiffe auch noch auf unterschiedlichen Kursen fahren und somit das Auffinden durch die deutschen Überwasserstreitkräfte erschweren.

Zum Zeitpunkt der Auflösung des Geleits befand sich TIRPITZ aber noch im Altafjord. Erst im Laufe des Nachmitttages des 5.Juli lief der Kampfverband mit TIRPITZ, ADMIRAL SCHEER und ADMIRAL HIPPER und sechs Zerstörern aus.

Auslaufen des Kampfverbandes

Gegen fünf Uhr nachmittags wurde der deutsche Verband durch das russische U-Boot K 21 gesichtet und angegriffen. Das U-Boote meldete zwei (unbestätigte) Treffer.
Etwa eine Stunde nach der Sichtung durch das russische U-Boot überflog ein Catalina Flugboot das deutsche Schlachtschiff und setzte ebenfalls eine Sichtungsmeldung ab.
Weitere Sichtungsmeldungen durch gegnerische Flugzeuge und durch das brit. U-Boot P 54 veranlassten die SKL über einen Abbruch des Unternehmens nachzudenken. Immergrößer wurde die Gefahr, dass Tirpitz auf den Fernsicherungsverband der Alliierten treffen könnte. Um dieses Risiko auszuschließen erging um 21.32 Uhr der Befehl zum Abbruch des Unternehmens. Am 8. Juli machte TIRPITZ wieder in der Bogenbucht bei Narvik fest..
Der Kampf um den Geleitzug PQ 17 wurde von U-Booten und Flugzeugen geführt. Sie versenkten dabei 22 von den ursprünglich 33 Frachtern des Geleites. Zusätzlich gingen noch das Rettungsschiff ZAAFARAN und der Flottentanker ALDERSDALE verloren. PQ 17 ist damit der verlustreichste Konvoi auf der Nordmeerroute.
Die Verluste an Ladung umfassten 3350 Lastwagen und Jeeps, 430 Panzer, 210 Flugzeuge sowie 99316 Tonnen Ersatzteile, Nahrungsmittel, Panzerplatten, Munition etc.





Nachbetrachtung:

Immer wieder gibt es Überlegungen warum die Auflösung des Konvois befohlen wurde. Eine Sicherung gegen U-Boote hätte in einem geschlossenen Geleit sicher effektiver erfolgen können.
Eine Hypothese, die auch Karweina in seinem Buch über PQ 17 anführt, geht von einer, auf den Befehlshaber der Home Fleet zurückgehenden  „Köder“-Funktion des Konvois aus. Nach dieser Hypothese sollte PQ 17 tatsächlich jene Reaktion auf deutschKummetzer Seite hervorrufen, die auch eintrat. Das Schlachtschiff TIRPITZ sollte aus seinem sicheren Liegeplatz gelockt und dann von der Fernsicherung gestellt werden.

Das Verhalten von Konteradmiral Hamilton, dem Befehlsaber der Nahsicherungsgruppe, unterstreicht diese Hypothese. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Vorgehensweise bei  Nordmeergeleitzügen fuhr er mit den Kreuzern nicht dicht beim Geleit und schreckte damit  die deutsche Flotte ab. Er blieb vielmehr nördlich vom Geleit und somit auf der, von der deutschen Flotte, abgewandten Seite. Er versteckte sich dabei noch in Nebelfeldern um eine Sichtung durch deutsche Aufklärer möglichst zu vermeiden. PQ 17 sollte den Eindruck eines relativ schutzlosen Geleites machen. Erst bei einer Annäherung der deutschen Flotte wollte Hamilton seine vier Kreuzer überraschend in die Schlacht  werfen.
Tovey verbot Hamilton aber eine Schlacht mit der TIRPITZ. Bei ihrem Auftauchen sollten die Kreuzer das deutsche Schlachtschiff in ein Scheingefecht verwickeln und auf das Eintreffen der Home Fleet warten.
Tovey hielt den Geleitzug für nur zweitrangig. Wochen vorher hatte er an die Admiralität geschrieben:
Zitat:
Die Versenkung der TIRPTZ wäre „von ungleich höherer Bedeutung fürTovey die Kriegsführung als die Sicherung eines Geleitzuges“
 
Aber nicht nur PQ 17 allein sollte eine Reaktion seitens der TIRPITZ auslösen. Man sicherte sich noch weiter ab.
Tovey schrieb an die Admiralität:
Zitat:
„Um die feindlichen Überwasser- und Luftstreitkräfte abulenken, wurde in Scapa Flow ein Scheingeleitzug zusamPoundmengestellt. Er bestand aus der I. Minenlegerflottille und vier Kohlenschiffen, eskortiert von den Kreuzern SIRIUS und CURACAO, fünf Zerstörern und einigen bewaffneten Fischdampfern. Das Geleit lief zwei Tage nach PQ 17 aus.
Die Schiffe stießen um die Shetlandinseln herum bis 1 Grad Ost vor, in der Hoffnung, von der deutschen Luftaufklärung entdeckt und für ein Landungsunternehmen in Südnorwegen gehalten zu werden. Später am gleichen Tag lief die Schlachtflotte aus. Ihr Kurs musste dem Eindruck erwecken, als ob sie die Landungsstreitkräfte decken wollte.
Die einzige deutsche Luftaufklärung von Scapa während der Zeit der Zusammenstellung scheint das Geleit jedoch offensichtlich nicht ausgemacht zu haben. Auch später wurde es nicht gesichtet. Die Operation wurde daher am 1. Juli wiederholt, aber erneut ohne Erfolg.“