Einstellungsvorausetzungen für Anwärter einer Offizierslaufbahn (ca. 1940)

Besitz der deutschen Reichsangehörigkeit, Wehrwürdigkeit, Herkunft aus rein deutschem oder artverwandtem Blut; volle Wehrtauglichkeit. Besitz des Reifezeugnisses einer höheren Schule (Gymnasium, Oberschule) bzw. einer Lehranstalt, die auf Grund ministeriellen Erlasses dieser gleichgestellt ist.
Das Lebensalter soll am Tage des Diensteintritts nicht mehr als 22 Jahre betragen, die Höchstgrenze ist 24 Jahre. Körpergröße möglichst nicht unter 1,65 m
Von Wert ist die Zugehörigkeit zur Mar.-HJ sowie der Besitz des HJ-Leistungsabzeichens, des Seesportabzeichens, des Reichssportjugend-, des Deutschen Reichsportabzeichens oder des SA-Wehrabzeichens.

Mindestsehleistung, Farbenunterscheidungsvermögen.

See-
offiziersanwärter

Beiderseitig 6/8 oder auf dem besseren Auge 6/6, auf dem anderen mindestens 6/12 der regelrechten Sehleistung. Volles Farbunterscheidungsvermögen.

Ingenieur-
offizieranwärter

Beiderseitig 6/12 oder auf dem besseren Auge 6/8, auf dem anderen mindestens 6/24, jedoch ausgleichbar. Keine Brillenträger. Leicht Farbenschwache (grünanomale Trichromaten) zugelassen.

Marinesanitäts-
offizieranwärter

Wie Ingenieuroffizieranwärter.
In Ausnahmefällen, bei Mangel an Bewerbern, Brillenträger zugelassen unter der Voraussetzung, daß die Sehschärfe (mit Glas) mindestens 6/8 beiderseits oder auf dem besseren Auge 6/6, auf dem anderen mindestens 6/12 der regelrechten Sehleistung beträgt. Volles Farbenunterscheidungsvermögen.

Waffen-
offiziersanwärter

Wie Ingenieuroffizieranwärter.
In Ausnahmefällen, bei Mangel an Bewerbern, Brillenträger zugelassen unter der Voraussetzung, daß die Sehleistung auf dem besseren Auge (ohne Glas) mindestens 6/12 beträgt. Die Sehleistung auf dem schlechteren Auge kann gering sein. Farbenschwäche als Ausnahmefall zugelassen.

Verwaltungs-
offizieranwärter

Wie Ingenieuroffizieranwärter.
In Ausnahmefällen, bei Mangel an Bewerbern, Brillenträger zugelassen unter der Voraussetzung, daß die Sehleistung auf dem besseren Auge (ohne Glas) mindestens 6/12 beträgt. Die Sehleistung auf dem schlechteren Auge kann gering sein. Farbenschwäche als Ausnahmefall zugelassen.

 

Aufgrund der Kriegsverhältnisse können sich Schüler höherer Schulen, die ab 1.April des Einstellungsjahres die 8.Klasse besuchen, sich als Offiziersanwärter melden. Gemäß Richtlinien des Reichministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung kann das Reifezeugnis nach 6monatigem Besuch der 8.Klasse erteilt werden, sofern Führung und Klassenleistungen des Schülers diese Maßnahme rechtfertigen.

Einstellungen finden am 1.Oktober jeden Jahres statt. Die Meldefristen werden jeweils durch die Presse bekanntgegeben (im allgemeinen von 1.Oktober des Vorjahres bis 15.Mai des Einstellungsjahres. Die Einstellungsgesuche mit den vollständigen Unterlagen sind an die Inspektion des Bildungswesens der Marine (Einstellungsabteilung) in Kiel einzureichen.

 

 

 

(Text entnommen aus einem Merkheft für Freiwillige der Kriegsmarine ca. 1940. Der Text ist in Stil der Sprache und der Einstellung der damaligen Zeit verfasst.