Verwaltungsoffizierslaufbahn

Durch Erlaß des Reichskanzlers vom 26. Februar 1935 ist bei der Kriegsmarine die Laufbahn der Verwaltungsoffiziere eingeführt worden, die mit dem See-, Ingenieur-, Sanitäts- und Waffenoffizieren zusammen das Marineoffizierkorps bilden. Die Ausbildung aller Marineoffiziere erfolgt nach gemeinsamen Grundsätzen; im einzelnen ist sie auf die fachlichen Erfordernisse der betreffenden Offizierlaufbahn abgestellt. Die Verwaltungsoffiziere finden Verwendung als Verwaltungsreferenten der Kommandobehörden an Land sowie im Oberkommando der Kriegsmarine. Außerdem werden sie als Lehrer an der Marineschule Mürwik, als Ausbildungsoffiziere für den Verwaltungsoffiziernachwuchs, als Adjutanten der höheren Seebefehlshaber und in Einzelfällen als Kompaniechefs und Zugführer an Land verwendet. Im Gefecht nehmen sie an Bord rein militärische Funktionen ein.
Der Aufgabenkreis der Verwaltungsoffiziere der Kriegsmarine erstreckt sich neben der Beratung ihrer militärischen Vorgesetzten in Verwaltungsfragen auf die verantwortliche Leitung der Verwaltung an Bord der Kriegschiffe und bei den Landmarineteilen. Dazu gehört die Versorgung des Personals mit Besoldung, Verpflegung, Bekleidung, die Ausrüstung der Schiffe, mit Geld, Lebensmitteln, Betriebstoffen und sonstigem Schiffsbedarf, ihre Beschaffung im In- und Auslande, die Mitwirkung bei Ausbildungs-, Organisations- und Schiffskonstruktionsfragen, bei der Bearbeitung von Vorschriften und allen für militärische Einheiten bestimmten Verwaltungsanordnungen.
Wer den Beruf als Marineverwaltungsoffizier zu seinem Lebensinhalt machen will, muß sich darüber im klaren sein, daß er Offizier - Soldat - wird. Damit werden an ihn höchste Forderungen gestellt in bezug auf soldatische Haltung und Gesinnung, Person und Pflichterfüllung. Daneben steht die Forderung eines gründlichen fachlichn Wissens und Könnens, daß im während der Ausbildung vermittelt wird. Klares logisches Denken, Umsicht, Organisationsgabe, Blick für das Wesentliche und Notwendige müssen den Verwaltungsoffizier auszeichnen, der seinen vielfältigen, verantwortungsvollen und umfangreichen Aufgaben gerecht werden will. Selbstständigkeit, Entschlußkraft und Verantwortungsfreudigkeit müssen dem Verwaltungsoffizier in besonderem Maße zu eigen sein, weil er an Bord - zumal im Ausland - weitgehend auf sich allein gestellt ist.
Die häufige Verwendung der Kriegschiffe im Auslandsdienst fordert von den Verwaltungsoffizieren der Kriegsmarine besonders gute fremdsprachliche Kenntnisse (englisch, französich und spanisch oder italienisch). Die Förderung dieser Kenntnisse durch besondere Lehrgänge ist im Rahmen der Gesamtausbildung vorgesehen.

Normaler Ausbildungsablauf:

3 Monate

militärische Grundausbildung

2 Monate

1. Verwaltungsausbildung bei der Marineschule Mürwik.

3 Monate

Schulschiff, während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten(V)

5 Monate

Marineschule Mürwik, abschließend mit der Verwaltungsoffizierhauptprüfung. Während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich(V)

5 Monate

Ausbildung im Verwaltungsdienst bei einem Marineteil an Land

5 Monate

Ausbildung im Verwaltungsdienst an Bord, während dieser Zeit Beförderung zum Oberfähnrich(V)

ges. etwa 23 Monaten

Nach insgesamt etwa 2 Jahren Beförderung zum Leutnant(V)

 

Anschließend Ausbildung an Bord als Leutnant(V) und, soweit möglich, Lehrgänge bei Intendanturen, örtlichen Behörden usw., abschließend mit der Ergänzungsprüfung.

 

 

 

(Text entnommen aus einem Merkheft für Freiwillige der Kriegsmarine ca. 1940. Der Text ist in Stil der Sprache und der Einstellung der damaligen Zeit verfasst, vermittelt aber, auch trotz aller werbenden Töne, die Inhalte dieser Offizierslaufbahn innerhalb der Kriegsmarine)