Waffenoffizierslaufbahn (Sperrwaffe)

Die Waffenoffizierslaufbahn (Sperrwaffe) der Kriegsmarine wurde , nachdem die im Krieg und Frieden bewährte frühere Offizierslaufbahn der Torpedo-Offiziere des Minewesens als Folge des Versailler Vertrags aufgelöste werden mußte, am 1.Juli 1934 neu gegründet. Mit den See-, Ingenieur-, Sanitäts-, Verwaltungs- und Waffenoffizieren (Artillerie) bildet sie das Marineoffizierskorps.
Die Ausbildung aller Marineoffizieranwärter erfolgt nach gemeinsamen, allgemeinen Grundsätzen; im einzelnen ist sie abgestellt auf die sachlichen Erfordernisse der betreffenden Offizierlaufbahn.
Die Hauptaufgabe der Waffenoffiziere der Sperrwaffe besteht darin, die vielseitigen und hochwertigen Sperrwaffen für Schiffe und Seefestungen bereitzustellen, zu verwalten und in kriegsbrauchbarem Zustande zu erhalten, sowie bei der Entwicklung und Erprobung der Sperrwaffen mitzuwirken und die Frontstellen in waffentechnischen Fragen zu beraten und zu unterstützen. Es handelt sich dabei um Minen-, Minenabwehr-, U-Bootsabwehr und Sprengwaffen.
Diese großen Aufgaben können nur Waffenoffiziere erfüllen die über ein hohes Maß von vielseitigem Wissen und Können und eingehende Erfahrung verfügen und sich der großen Veranwortung für die Schlagfertigkeit der Kriegsmarine bewußt sind. Durch die fortschreitende Entwicklung der Waffentechnik ist der Aufgabenkreis besonders hinsichtlich der Vielseitigkeit und Kompliziertheit der hochwertigen technischen Einrichtungen gegenüber den Stand im Weltkrieg außerordentlich gewachsen und wird mit dem Aufbau der Kriegsmarine noch umfangreicher werden. Die Eigenart der Sperrwaffe erfordert außerdem, daß der Waffenoffizier (Sperrwaffe) neben seinem techischen Können auch seemännische Tüchtigkeit besitzt.
Da weiterhin die Ausbildung, wie bei den übrigen Offizierlaufbahnen, darauf abgestellt ist, die Offiziere als Disziplinarvorgesetzte und als Führer eines Offizierkorps auszubilden, werden sie neben ihrer fachlichen Verwendung auch zum militärischen Dienst an Bord und an Land herangezogen.
Der jüngere Waffenoffizier (Sperrwaffe) wird in folgenden Stellungen verwendet:
Als Betriebsoffizier und Betriebsleiter bei den Sperrzeugämtern, als Leiter von selbstständigen Sperrwaffenbetrieben, als Referent in Stäben und als Sachbearbeiter im Oberkommando der Kriegsmarine, als Spezialist der Sperrwaffe an Bord der Minenschiffe, Geleit-, Minensuch- und Minenräumflottillen, als Zugführer, Kompaniechef, Gruppenoffizier und Lehrer an der Sperrschule und Marineschule Mürwik, als Ausbildungsoffizier für den Waffenoffiziernachwuchs an Bord der Schulschiffe und bei den Waffenschulen. Ferner findet er Verwendung in Entwicklungs- und Versuchskommandos.
Für Stabsoffiziere (Korvettenkapitän(W), Fregattenkapitän(W), und Kapitän zur See(W)) sind folgende Stellungen vorgesehen:
Vorstand mittlerer und großer Sperrzeugämter, Leiter umfangreicher Betriebe bei den Sperrzeugämtern, entsprechende verantwortungsvolle Dienststellungen bei den Waffenentwicklungs- und Versuchskommandos, als Referent und Abteilungschef im Oberkommando der Kriegsmarine und bei höheren Stäben an Land und an Bord.
Besonders geeignete und technisch gut veranlagte Waffenoffiziere werdn nach Bedarf zur Vervollkommnung ihrer technischen Kenntnisse zu einem Studium an die Technische Hochschule in Berlin kommandiert, das mit der Diplomprüfung abschließt.

Normaler Ausbildungsablauf:

3 Monate

militärische Grundausbildung

2 Monate

Werkstättenausbildung

3 Monate

Schulschiff, während dieser Zeit Ernennung zum Kadetten(W)

5 Monate

Marineschule, abschließend mit der Waffenoffizierhauptprüfung. Während dieser Zeit Beförderung zum Fähnrich(W)

4 Monate

Sonderlehrgänge entsprechend der eingeschlagenen Laufbahn

6 Monate

Frontdienst in der Flotte, während dieser Zeit Beförderung zum Oberfähnrich(W)

ges. etwa 23 Monaten

Nach insgesamt etwa 2 Jahren Beförderung zum Leutnant(W)

 

Anschließend Berufsausildung als Leutnant(W), die abgeschlossen wird mit der Waffenoffizierberufsprüfung

 

 

 

(Text entnommen aus einem Merkheft für Freiwillige der Kriegsmarine ca. 1938/39. Der Text ist in Stil der Sprache und der Einstellung der damaligen Zeit verfasst, vermittelt aber, auch trotz aller werbenden Töne, die Inhalte dieser Offizierslaufbahn innerhalb der Kriegsmarine)